Lobenberg: Das Weingut ist auf dem Kalksteinplateau im Süden von Saint-Émilion gelegen. Inzwischen umfasst es sechs Hektar. Château Tour Perey von Jean Luc Marteau liegt neben Château Monbousquet, steht allerdings nicht auf Lehm- und Sandboden, sondern auf einem reinen Kalksteinfels, ein früher von den Römern als „römisches Bad“ genutzter Platz. Eine kleine Kalksteininsel in dieser von Lehm und Sand dominierten Region. Die Reben sind über 80 Jahre alt. Jean Luc ist hauptberuflich Weimacher bei Rolland de By im Médoc, ein Weingut, das von seinem Vater als Regisseur geleitet wird. Er hat das kleine Château Tour Perey mit dem grandiosen Terroir zwar schon früh entdeckt, aber erst 2010 gekauft. Zuvor war es finanziell nicht möglich. 2019 dürfte der erste zertifiziert biologische Jahrgang sein. Die Weinbergsbearbeitung ist seit 2010 komplett organisch, die Rebzeilen begrünt. Im Keller werden die Trauben komplett entrappt, eingemaischt und spontan und ohne Schwefelzusatz vergoren, danach bei über 30 Grad belassen, bis sich die Maische über mehrere Wochen hinweg abkühlt. Die Vergärung und Nachmazeration dauern bis Ende Januar, dann presst Jean Luc die Maische ab. Die Zielsetzung ist im Grunde ein superfeiner Pomerol in Saint-Émilion. Das liegt auch Jean Lucs Ausbildung, denn er ist in Pomerol geboren. Ein hochreifer Superfinesse-Pomerol à la Eglise Clinet oder VCC ist im Grunde sein großes Vorbild. Der Ausbau geschieht zu 60 Prozent in neuem Holz, die Weine bleiben für zwei Jahre ohne Batonnage auf der Feinhefe im Barrique, danach ein weiteres halbes Jahr im Tank. Das heißt, dass die Weine deutlich später auf den Markt kommen als üblich. Die Cépage ist 67 Prozent Merlot, 22 Prozent Cabernet Franc und 11 Prozent Cabernet Sauvignon, der Alkoholgehalt liegt bei knapp unter 14 Volumenprozent. Das ist für das südliche Saint-Émilion durchaus moderat. Tour Perey ist jals Fassprobe in der Nase immer eine Wucht. Ein Ereignis. So unglaublich voluminös. Eine grandiose Veilchen-Rosenblätter Nase. Mit viel dunkler Lakritze, zerdrückter Blaubeere, Sauerkirsche, Sauerkirschschalen und dunkler Milchschokolade. Süße Maulbeere und immer wieder diese bläuliche Frucht durchschimmernd. Drückend, fast wuchtig. Ein echter Power-Saint-Émilion. Aber nicht ordinär, nur viel. Im Mund süße Sauerkirsche. Es klingt etwas verrückt, es ist aber so. Dann diese getrocknete Blaubeereschale dazu. Himbeere-Konfitüre, aber nicht zuckrig, sondern einfach nur dicht. Dicht und reich und voller Spannung. Der Oszillograph ist sehr groß. Wir haben eine große Frische und gleichzeitig total reife Frucht. Blauschwarzrote Frucht mit großer Länge, Kalksteinmineralität und Salz. Ein unglaublich fokussierter und geradeauslaufender Wein. Es geht echt ab im Mund. Das drückt und schiebt, die Augen ziehen sich zusammen. Die Frische ist immens uns trotzdem ist überhaupt nichts spröde. Die Tannine sind samtig-seidig, gar nicht als Gerbstoff zu identifizieren, sondern nur als angenehme samtene Fülle. So ungeheuer viel dichte und reiche Frucht, ohne vulgär oder ordinär zu sein. Er ist einfach nur geradeaus laufend in dieser schwarzblauroten Süße. Er hat eindeutig Spuren der südlichen Kalksteinhänge von Saint-Émilion, Bellefont Belcier und oben auf dem Kalkplateau von Tour Saint Christophe. Tour Perey ist aber dichter und viel fester, mittiger, fokussierter als diese beiden und braucht sicher auch längere Zeit zur Entwicklung. Er ist am Ende sicherlich der größere Wein als die beiden eben angesprochenen Assoziationen. Ein unglaublich dichter, fokussierter, langer und geradliniger Stoff für Geduldige. Ein Blockbuster ohne Härte, spröde Töne und ohne grüne Noten. Vollreif und doch nicht fett. Unglaublich dicht und üppig, ohne ordinär zu sein. Ja, das ist schon ein kleines Monster. Aber nochmal: Der Wein gehört zehn Jahre weggesperrt. 97-98+/100