Chateau Leognan

Leognan

Chateau Leognan 2019

strukturiert
pikant & würzig
saftig
97–98
100
2
Cabernet Sauvignon 70%, Merlot 30%
5
rot
13,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2050
Verpackt in: 6er OHK
3
Lobenberg: 97–98/100
Gerstl: 19/20
6
Frankreich, Bordeaux, Pessac Leognan
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chateau Leognan 2019

97–98
/100

Lobenberg: Diese Rebfläche ist 1989 im Auftrag des Nachbarn Domaine de Chevalier auf allerfeinstem Terroir gepflanzt worden, sie umfasst nur sechs Hektar. Die Reben stehen direkt neben jenen der Domaine. Bisher waren sie Bestandteil des Erstweins von Chevalier. Hier sind stehen 10.000 Stöcke pro Hektar, der Ertrag ist mit unter 500 Gramm Trauben pro Rebe extrem gering. Diese Dichtpflanzung ist State of the Art. Der neue Besitzer des Château Leognan hat das Weingut erst vor einigen Jahren gekauft, die Weinberge werden biologisch bearbeitet, sind aber noch nicht zertifiziert. Allerdings sind sie bereits in dem von Landwirtschaftsministerium aufgesetzten HVE3-System aufgenommen und damit in Sachen Umweltverträglichkeit zertifiziert. Die sechs Hektar kamen an den neuen Besitzer, weil der Verkauf des Weinguts an die Domaine de Chevalier nicht zu Stande kam, da diese nur an den Weinbergsflächen, nicht aber an den 80 Hektar Wald und Wiesen interessiert war. Der neue Besitzer hat alles aber zusammen gekauft und bewirtschaftet nun auch diese sechs Hektar Top-Reben mit 30 Jahren Rebalter nach biologischem Vorbild im Weinberg und im Keller. 70 Prozent Cabernet Sauvignon und 30 Prozent Merlot. Der Alkoholgehalt des 2019er liegt bei nur 13 Prozent, das war auch im ebenso warmen 2018 schon so. Beide Jahrgänge kann man als mediterran bezeichnen. Die Bedingungen, die wir schon an der Rhône seit einigen Jahren finden, halten jetzt auch in Bordeaux Einzug. Warme, heiße Jahre mit sehr geringen Niederschlagsmengen. Die Frische nimmt aber erstaunlicherweise zusammen mit der immer höheren Reife eher zu, da die Reben im Sommer für einige Zeit zumachen. Kurioserweise hält genau das die Frische. Die pH-Werte sind im Regelfall damit auch vergleichsweise gering. Die Säure ist teilweise erstaunlich hoch. An der Rhône sind diese Bedingungen häufig mit hohen Alkoholgraden verbunden, in Bordeaux ist zum Glück der Alkohol überwiegend moderat. Der 2019er Château Leognan zeigt eine durchaus burgundische Nase, allerdings mit einem deutlichen Hang zur üppig schwarzen Frucht. Schwarze Kirsche, etwas Holunder, Eukalyptus und Minze. Etwas Garrigue-Unterholz und etwas helle Lakritze. Dazu deutlich florale Noten, eine üppige Veilchennase. Fein, ätherisch, aromatisch-duftig und dennoch auch durchaus Wucht und Fett zeigend. Eine Entwicklung, die auch die Domaine de Chevalier mit ihrem Rotwein in den letzten Jahren gemacht hat. Es ist eben das gleiche Terroir und die gleiche Qualität der Weinberge. Beide Weingüter wandern weiter in Richtung Burgund, allerdings in Richtung Vosne-Romanée, mit ein bisschen Richebourg-Charakter in der Üppigkeit und der schwarzen Frucht. Auch einige Clos de Vougeot gehen in diese Richtung. Assoziationen zum Weingut Domaine d´Eugenie. Da die Jahre 2018 und 2019 hier so reif wurden, ist auch die typische Cabernet-Note in Form von Paprika nicht ausgeprägt, ja fast nicht vorhanden. Wir sind deutlich mehr in der fettschwarzen und roten Kirsche, mehr in der Oberliga Kaliforniens, und ich wäre in einer Blindverkostung gar nicht überrascht, wenn ich diesen Leognan für einen sehr üppigen Pinot Noir oder Cali halten würde. Mit leichten Assoziationen zu sehr reif gelesenem Barolo. Tolle Länge zeigend. Erst langsam schält sich auch ein wenig rote Frucht heraus. Schlehe, rote Johannisbeere, Garrigue-Unterholz und wieder Lakritze. Ein Hauch Holz und ein bisschen schwarze Oliven, leichte angenehme Bitterkeit. Aber die burgundische Note bleibt auf jeden Fall im Vordergrund. Paprika und viele weitere typische Cabernet Noten liegen ganz weit dahinter, wenn überhaut vorhanden. Tolle Spannung zeigend. Das Tannin ist butterweich, fein und seidig. Mehr Seide als Samt. Der Wein hat sowohl auf der reifen Seite ein kleines Plus gegenüber 2018, genauso wie auf der frischen Seite. Ein hoher Oszillograph in diesem schwarzfruchtigen und balancierten Finessewunder. Eine völlig andere Stilistik als der zuvor probierte Château Seguin, der viel mehr in Richtung La Mission Haut-Brion lief. Dieser Château Leognan ist wirklich der Zwillingsbruder von Domaine de Chevalier. Burgundisch und reich, ein großer Spaßmacher mit hoher Intensität langer, salziger, mineralischer Finalspur, die in einem süßlichen Lakritz-Schwarzkirschfinale mündet. Mit einem sehr salzigen Nachhall auf der Zunge. Ein toller Wein und für mich völlig unerwartet: Der 2019er ist für mich der wirkliche Durchbruch in den High-Quality Bereich. Erst jetzt sind wir wirklich wieder in der Qualität des Zwillings Domaine de Chevalier angekommen, auf den ich echt gespannt bin. Großer Stoff hier in seiner sensationellen, gleichwohl üppig dichten Eleganz und Balance. 97-98/100

19
/20

Gerstl über: Chateau Leognan

-- Gerstl: Im Duft zeigt er sich vor Allem von seiner sanften Seite, das ist ein sublimes, superfeines Parfüm, erinnert mich irgendwie an Domaine de Chevalier. Das ist pure Eleganz, hat beinahe etwas Burgundisches an sich. Der Gaumen begeistert genauso wie die Nase, die Struktur ist etwas fester, als der feine Duft vermuten lässt, aber die Balance stimmt perfekt, die Tannine sind eingebunden in jede Menge wunderbar süsses Fruchtfleisch, der Wein schmeckt köstlich, traumhaft frisch, irre komplex und reich, das ist einer der ganz grossen Péssac-Léognan, erinnert mit seiner Raffinesse auch etwas an Haut-Bailly. 19/20

Mein Winzer

Leognan

Diese im Jahre 1989 gepflanzten sechs Hektar stehen direkt neben der Domaine de Chevalier, denn sie waren bisher Bestandteil des Erstweins und somit in der Bearbeitung der Domaine de Chevalier. 10.000 Stöcke pro Hektar. Unter 500 Gramm Ertrage je Pflanze, state of the art. Die Familie Bernard von...

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