Chateau La Tour Blanche 1er Cru Classe 2022

Chateau La Tour Blanche 1er Cru Classe 2022

Zum Winzer

97–100
100
2
Semillon 85%, Sauvignon Blanc 10%, Muscadelle 5%
5
weiß, süss
14,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2081
Verpackt in: 6er OHK flach
9
sehr süss
exotisch & aromatisch
voll & rund
3
Lobenberg: 97–100/100
VVWine: 95–97/100
Weinwisser: 95–96/100
Gerstl: 20/20
6
Frankreich, Bordeaux, Sauternes
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chateau La Tour Blanche 1er Cru Classe 2022

97–100
/100

Lobenberg: Eine unglaublich feine, tänzelnde Nase, sehr an 2020 erinnernd. So schick! Weißer Pfirsich, Aprikose, hellgelbe Melone und Zitronengras. Ein echter Tanz. Apfel und Birne, ein Hauch Rosine darunter. Eine traumhafte Nase – zum Reinspringen schön! Im Mund leichter Bitterstoff, aber auch eine wunderbare Frische aus Zitronengras, heller Grapefruit und Limette. Dazu wieder Apfel und Birne, dann Maracuja mit ihrer wunderschönen Säure und der leichten Exotik. Das Ganze aber tänzelnd bleibend. Gar nichts Schweres, sondern eher etwas leicht Verspieltes. Von allen probierten Sauternes mit Abstand der Primus. Grandios! Allerdings gebe ich zu Yquem nicht probiert zu haben. Trotzdem ein Topwert! 97-100/100 *** La Tour Blanche wurde bei der Klassifizierung der Sauternes-Weine 1855 direkt hinter Yquem an die Spitze gestuft. Und das Gut ist auch heute noch zusammen mit Yquem der absolute Spitzenreiter der Appellation. Das liegt daran, dass Tour Blanche neben Yquem einer der wenigen Weine ist, die richtig Grip haben. La Tour Blanche hat immer die nötige Spannung, neben der wunderbaren Reife der Frucht. Und so ist für mich im Grunde heute – wo die süßen Bordeaux immer weiter zurückfallen – La Tour Blanche neben Yquem und ein bis zwei weiteren Weingütern aus Barsac, die jedoch über andere Terroirs und Kalksteinböden verfügen, das einzig verbliebene Superspannende.

Jahrgangsbericht

2022 hatte den trockensten Sommer in Frankreich seit Beginn der Aufzeichnungen und war insgesamt das heißeste Jahr seit 1947. Nicht so extrem und plötzlich heiß wie 2003, eher harmoniefördernd gleichmäßig warm und eben sehr trocken. Nachdem im November und Dezember 2021 satt Regen fiel, blieb es in den Folgemonaten trocken und warm. Die Reben konnten sich also bei gleichmäßiger Blüte langsam an die Trockenheit gewöhnen. Die Terroirs mit den besten Wasserspeicher-Eigenschaften und den sehr tief wurzelnden alten Reben konnten das Wasser-Reservoir des Winters und Frühjahrs nach früher und sonniger Blüte relativ problemlos durch den trockenen Sommer nutzen. Regen gab es erst wieder im Juni und dann in der zweiten Augusthälfte mit 30 bis 50mm. Danach blieb es sonnig und trocken mit einem langen »Indian Summer« bis weit in den Oktober und sogar November. Jeder konnte auf den perfekten Erntezeitpunkt warten, zumal es dank sommerlicher Stillstände keinen Zucker-Alkoholdruck gab. Wer mit alten Reben und perfekten Terroirs dann noch verschont wurde vom jährlich zunehmendem April-Frost und vom allzu häufigen Hagel des Frühsommers, konnte sich gerade als biologisch arbeitender Winzer über das, ob des Klimas, vollständige Ausbleiben von Fäulnis und Pilzkrankheiten freuen. Niemand musste auch nur irgendwas spritzen. Für Bio-Winzer mit alten Reben und superbem Terroir war 2022 ein so noch nie erlebtes, perfektes Jahr, zumal man sich über die vergangenen 10 extremen Jahre an die besser angepasste Laub- und Bodenarbeit gewöhnt hatte. Saint Emilions und Castillons Kalksteinfelsen, Pomerols und Fronsacs Lehmböden und die dicken Kieslinsen des Medocs hatten bei sehr altem Rebbestand bis auf den Malus kleinerer Erträge kaum Sorgen. Weniger, aber ein überragend intensiver Saft aus kleinen, dickschaligen, kerngesunden Beeren. Aromatisch frischer Most, tiefes und zugleich delikates Tannin, dazu eine überragende Balance. Junge Reben und sandige Böden litten allerdings extrem, da gab es hier und da schon desaströse Ergebnisse. Besonders profitiert haben, neben den o.g. perfekten Böden dazu am linken Ufer, die in sehr nassen Jahren benachteiligten Fluss- und Ufernahen Terroirs des Medocs, des nördlichen Haut Medocs und Saint Estèphes. Die meisten Winzer vergleichen 2022 mit 2018, allerdings war 2022 überwiegend noch deutlich konzentrierter und reicher in der Frucht, vibrierender, cremiger und trotz der extremen Reichhaltigkeit erstaunlich frisch, seidig und harmonisch, das erinnert auch an das Traumjahr 2016. 2022 ist nicht so extrem pikant wie das Hammerjahr 2019 und nicht ganz so tänzelnd finessenreich wie der 2020er. Winzer mit langer Erfahrung sprechen eher von einer deutlich perfekteren Reinkarnation der Jahrgänge 1982, 1961 und 1949. Jean-Philippe Janoueix, eine Instanz am rechten Ufer und Besitzer vieler Châteaux in Pomerol, Saint Emilion und Castillon sagt: »2022 is the more concentrated version of 2018. With deep acidity and rich, soft masses of tannin, 2022 is the much better and long-lived resurrection of the great 1982 and 1961.« Und das mit größerem Know-how, optimaleren Weinstöcken, niedrigeren Erträgen je Stock, besserer biologischer Weinbergsarbeit, dramatisch präziserer Selektion vor der Kelter (Laser und Wasserbad) und einer kenntnisreicheren Kellertechnik als vor vierzig Jahren. Ohne Zweifel ist 2022 also ein historischer Jahrgang. Fakt ist, dass trotz der wohl berechtigten Jubelschreie der allerbesten Winzer das Jahr 2022 auf Kante genäht ist. Junge Reben und nur mittelgute und schwächere Terroirs, und das ist nun mal mit Abstand der Großteil des Bordelais, haben in nassen und noch mehr in solch trocken-heißen Jahren ganz schlechte Karten und üble Zukunftsaussichten. Und leider werden die Jahre trotz einiger, klassischer Ausnahmen wie das Bordelaiser »Normaljahr« 2021 im Schnitt immer extremer. Die wenigen, strahlenden Topwinzer der Appellationen glänzen ob der extraterrestrischen Qualitäten mehr denn je, die große Masse bleibt auf der Strecke. Die Spitze der Pyramide wird noch schmaler und zugleich noch höher. 2022 ist für die Superstars jeder Appellation ein so noch nie dagewesener Qualitätstraum, aber wo soll das für die breite Basis enden? Spanien findet den Ausweg aus den immer extremeren klimatischen Wetterkonditionen in 800 bis 1200 kühlen Höhenmetern, aber wie sieht – neben den weiter vorwärts stürmenden Superstars – die Zukunft des Bordelaiser »Normalwinzers« auf NN aus?

95–97
/100

VVWine über: Chateau La Tour Blanche 1er Cru Classe

-- VVWine: Ein Sauternes-Bouque mit viel Frische, tiefgründig, würzig, mit grosser Komplexität und Intensität. Der Gaumen ist dicht und hochelegant, ausgezeichnete Balance, grosses Aromenspektrum, fast endlos im Abgang. Klasse! 95-97/100

95–96
/100

Weinwisser über: Chateau La Tour Blanche 1er Cru Classe

-- Weinwisser: Verzauberndes Bouquet, frisches Mirabellenkompott, Reneklodenkonfitüre und reifes Birnenmark. Am vielschichtigen Gaumen mit öliger Textur, feinpfeffrigem Extrakt, integrierter Rasse und mächtigem Körper. Im aromatischen Finale explodiert der Sauternes, Marillengelee, Akazienhonig und Safran. 95-96/100

20
/20

Gerstl über: Chateau La Tour Blanche 1er Cru Classe

-- Gerstl: Da strahlt ein grosser Sauternes, ein echter Premier Grand Cru Classé aus dem Glas, glasklare Botrytis, feinste Gelbfrucht, edle Tropenfrucht, etwas Honig und Caramel. Ein Hauch Minze bringt zusätzliche Frische, der Duft ist total auf der zarten Seite, dennoch beeindruckt er mit sagenhafter Komplexität. Wow, dieser Gaumen! Das ist ganz grosses Kino, irre Rasse. Der Wein ist fast so schlank wie ein Riesling, die Konzentration ist enorm, die Balance perfekt, der minutenlange Nachhall reisst mich vom Hocker. Ich hätte nicht gedacht, dass 2022 auch im Sauternes so gross ist. (mg) 20/20

Mein Winzer

La Tour Blanche

Das Mitte des 18. Jahrhunderts gegründete Château La Tour Blanche wurde bei der Klassifizierung der Sauternes-Weine 1855 an der Spitze direkt hinter Chateau d’Yquem eingestuft. Château La Tour Blanche wird heute vom extrem talentierten und hoch angesehenen Spanier Miguel Aguirre geleitet, der sich...