Lobenberg: Noch bevor Thierry Manoncourt 1947 das berühmte Familienweingut Figeac übernahm, kaufte er 1942 von seinem Sold als Unteroffizier das Weingut Millery. Chateau de Millery ist ein kleines Weingut, von dem die große Öffentlichkeit bisher nur wenig Notiz nahm. Es liegt drei Kilometer von Saint-Emilion entfernt in der Gemeinde Saint-Christophe-des-Bardes, in der heute der Großteil der sogenannten Geheimtips Saint Emilions liegen, von Tour Saint Christophe bis Laroque, von Sansonnet bis Soutard. Nur ein einziger Hektar mit hervorragendem Lehmkalkstein, bepflanzt mit überwiegend Merlot und etwas Cabernet Franc. Vergoren wird in Beton und Edelstahl, Ausbau in Barrique zu 90% in gebrauchten und 10% in neuen Fässern. Heute wird es von Frederic Faye geleitet, der auch zugleich Direktor von Chateau Figeac ist. Nur knapp 4500 Flaschen gibt es pro Jahrgang. Und somit wurde der Wein im Prinzip nur familienintern vergeben. Das änderte sich, als Antonio Galloni den 2016er zu probieren bekam. Auf Anhieb vergab er sensationelle 96 Punkte. Seitdem nehmen immer mehr Weinliebhaber von diesem Kleinod Notiz und sind auf der Suche nach diesem „kleinen Figeac“Seit einiger Zeit – sicherlich auch durch die tolle Bewertung beflügelt – widmet man sich deutlich mehr diesem ehemaligen Familienwein. Bei diesem Weingut treffen also ein absolutes Spitzenteam und Geheimtipp aufeinander. Schon die Nase ist unfassbar dicht und komplex. Wahnsinnig rund von der Merlot geprägt mit dieser feinen, schwarzkirschigen Offensive, die mit dunklen Beeren angereichert ist. Daneben Pumpernickel, schwarze Oliven und süßes Moschus. Erotisch opulent. Auf der anderen Seite schon eine enorme Frische ausstrahlend. Alles untermalt von einer tollen Krautwürze. Am Gaumen kommt kaum zu erahnende Frische auf einen zu. Himbeere, Kirsche, Brombeere, schwarze Johannisbeere. Alles ist frisch, das samtige Tannin ist stark, aber blankpoliert. Nichts Grünes, nichts Unreifes. Volle Frucht mit wahnsinniger Finesse. Changiert zwischen feiner Delikatesse und - ob der Schönheit – feinfruchtiger Trinkigkeit. Das Ganze endet in einem wunderschönen, langgezogenen Finale mit einer feinen und immer wieder hochrollenden Salzspur. Dazu noch mal Kirsche, Himbeere und Hagebutte und Kakaonoten. Wird nie anstrengend, ist immer ein großer Trinkspaß mit deutlichem Tiefgang und Charakter. Eine Kreuzung des kirschfruchtig rotfruchtigen Figeac und einem Hauch schwarzkirschigen Pomerols nebst reifem Haut Brion und satter Lakritze. Eine aromatische Explosion. Verdammt pikant und süßsauer in opulenter Fruchtreife. Berauschend schön und superb strukturiert. 97+/100