Lobenberg: Das Weingut hat 55 Hektar, davon 45 Hektar in Produktion. 56% Cabernet Sauvignon, 35% Merlot, 7% Cabernet Franc, 2% Petit Verdot. Der Generaldirektor ist Laurent Dufau und seit ewigen Zeiten ist der Weinmacher Vincent Mellet. Önologischer Berater und Superstar des Medocs, der alle Premier Crus berät, ist Eric Boissenot. Eric Boissenot ist bekannt dafür, dass er Frische im Wein erhält. Er erntet nie zu spät, nie in Überreife. Das ist eigentlich sein Markenzeichen. Das Ganze wird gepaart mit immer sehr niedrigen Erträgen pro Pflanze. Das heißt Dichtbepflanzung. Hier sind wir inzwischen auf 8.000 Pflanzen pro Hektar. Natürlich alles per Hand gelesen. Zusätzlich danach händische und mechanische Sortierung der entrappten Beeren u.a. mit speziellen Rütteltischen und danach nochmal eine Handsortierung. Auf Calon Segur wird immer schon alles zu 100% entrappt, was im nördlichen Teil des Medoc durchaus Sinn macht, denn hier gibt es häufig auch etwas grüne Rappen. Der Jahrgang 2016 hat 14% Alkohol, eine totale Säure von 3,75 und anders als in anderen Jahren, ist hier die Assemblage 60% Cabernet Sauvignon, 18% Cabernet Franc, 20% Merlot und 2% Petit Verdot. Der pH-Wert liegt bei stattlichen 3,6. 20 Tage Vergärung, 100% Barrique, Spontanvergärung. Calon Segur 2016 ist so ganz anders als der 2015er. 2015 gab es hier oben im nördlichen Medoc noch einige Regenprobleme mit denen ein leichter Hauch Unreife einherging. Die Ernte in 2016 begann, entsprechend der Philosophie von Eric Boissenot, relativ früh, nämlich am 01. Oktober, und sie war am 15. Oktober komplett beendet. Dementsprechend haben wir eine wunderbar frische Aromatik in der Nase, aber auch ganz reife Frucht. Ganz anders eben als 2015. Obwohl die Merlot in ihrem Anteil gar nicht so hoch ist, kommt sie doch mit der frischen Zwetschge und der schwarzen Kirsche gut durch. Aber auch feiner Eukalyptus, Minze, dann erst kommt auch ein Hauch Cassis und Brombeere. Aber alles sehr fein bleibend, sehr schwebend. Total balancierte, ausgewogene Nase. Der Mund noch aromatischer als die Nase. Der Wein ist köstlich und das ist schon etwas Besonderes hier auf Calon Segur. So jung getrunken, hat er doch häufig einen recht stürmischen Angang mit massiven Tanninen. 2016 ist das Tannin total geschliffen, butterweich, ganz fein und trotzdem haben wir die Würze Saint Estèphes. Wir haben schwarze Johannisbeere noch vor der Brombeere und total über der schwarzen Kirsche liegend. Mit total viel Grip, feiner Säure, langer mineralischer salziger Spur auf der Zunge. Und einen Calon Segur von einer Finesse, Feinheit und Frühform, wie man das selten trifft. Trotzdem bleibt die Frische erhalten. Definitiv kein Mangel an Säure, aber 2016 einfach auf einem unheimlich hohen Balance Level. In so guter Frühform habe ich Calon Segur noch nie probiert in meinen 25 Jahren. Das ist echt ein schicker Wein. Und trotzdem bleibt er ein typischer Saint Estèphe. Gefällt mir sehr, sehr gut. Eigentlich best ever und 100, aber Cos und Montrose sind einfach so sensationell gut, deshalb die fast gemeine Abwertung zu: 100/100