Chardonnay Yamhill - Carlton Ava 2017

Beaux Freres

Chardonnay Yamhill - Carlton Ava 2017

97+
100
2
Chardonnay 100%
5
weiß, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2020–2038
Verpackt in: 6er
9
voll & rund
mineralisch
exotisch & aromatisch
3
Lobenberg: 97+/100
6
USA, Oregon
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chardonnay Yamhill - Carlton Ava 2017

97+
/100

Lobenberg: Im Außenbetrieb wird biodynamisch gearbeitet, im Keller heißt das Motto minimal-invasives Arbeiten. 10 bis 12-monatige Reife im Fasskeller, möglichst reduktive Behandlung der Weine, um die maximale Frucht zu erhalten. Süd-südwestlich ausgerichtete Weinberge, immer mit einer gewissen Höhe. Handlese in kleinen Behältern, langsame Spontangärung im kühlen Keller, langes Hefelager, geringer Schwefeleinsatz. Gewachsen in der Yamhill-Carlton AVA, zu 100% in Gran Moraine, einer hügeligen Landschaft mit hoch gelegenen Parzellen. Farblich haben wir hier ein eher blasses Zitronengelb. Relativ klar, obwohl der Wein unfiltriert abgefüllt wird. Das deutet darauf hin, dass der Wein viel Zeit zum Absetzen bekommen hat. Die Nase zeigt dann eine kristallklare, ganz saubere, betörende Chardonnay-Frucht. Da ist Birne, super fein eingebundenes Holz und ein Hauch Zitronenabrieb, auch Zitronenmelisse. Wer Chardonnay mag, muss diese Nase lieben, das ist so offen und glockenklar, so sortentypisch in Reinform. Nur ein wenig Butter, Butterkekse, weißfleischiger Pfirsich, immer ganz hell und klar bleibend, überhaupt nicht fett und überladen. Diese Nase ist in grandioser Balance, alles ausgewogen, alles fein und doch intensiv, ohne aber laut werden zu müssen. Da schwingt auch immer eine ganz feine mineralische Note im Hintergrund mit, die Böden der Gran Moraine sind größtenteils steiniges Sediment. Am Gaumen bestätigt sich dann der geruchliche Eindruck, das ist sehr fein, sehr geschliffen und doch intensiv und präsent. Eine animierende Kühle breitet sich im Mundraum aus, während sich zitrische Aromen entfalten, das ist der perfekte Spagat zwischen Intensität und Unaufdringlichkeit. Das ist Cool-Climate-Chardonnay aus der Neuen Welt mit ganz großer handwerklicher Kunst gefertigt. Bei Beaux Frères kommen keinerlei Schönungsmittel zum Einsatz. Man kann nicht sagen, dass das an Puligny, Meursault oder Chassagne erinnert, das ist eigenwillig, burgundisch im Stil, aber mit einer völlig anderen Terroir-Expression. Das ist weniger säurebetont als im Burgund, aber nicht weniger frisch, hier wird die Frische nur anders ins Glas gebracht. Wir liegen hier bei knapp 13% Alkohol, nicht zu spät gelesen, voll auf Frische hingearbeitet, das kühlere Klima Oregons im Vergleich zu Kalifornien wird gekonnt ausgespielt. Da ist so viel minzige Kühle, weißer Pfirsich und eine sehr subtile Mineralität. Das ist ein Kraftbündel im ganz feinen Gewand. Eine grandiose Länge, immer wieder nachhallend, den Mund erfrischend wie Menthol, das macht richtig Spaß, hier gibt es viel zu entdecken. Mit weiterer Flaschenreife wird hier nach der primärfruchtigen Phase sicher eine große Komplexität heranreifen. 97+/100

Jahrgangsbericht

Nach einem erneut eher milden Winter kamen Austrieb (März) und Blüte (Mitte Mai) wieder recht früh in 2020. Es folgte ein warmer Sommer, der aber weniger extreme Hitzespitzen wie 2019 und 2018 hatte und vor allem durch kühlere Sommernächte eine robuste Säurestruktur erhalten konnte. Häufig wird vergessen, dass Hitze und vor allem Trockenheit nicht nur die Zuckerentwicklung, sondern auch die Säuren und Gerbstoffe durch niedrige Erträge und dicke Beerenschalen aufkonzentrieren. Dieser mediterrane Powersommer hat dem Burgund Mitte August den frühsten Lesestart seit 2003 beschert, dennoch wurden die vollen 100 Tage Reifezeit nach der Blüte erreicht bis zur Lese. Aufgrund der sehr trockenen Verhältnisse waren die Trauben weitgehend kerngesund und vollreif – Fototrauben soweit das Auge reicht! Wohingegen an der Côte de Beaune fast durchschnittliche Mengen Chardonnay geerntet werden konnten, war der Ertrag beim Pinot Noir an der gesamten Côte d’Or durch die winzige Beerengröße geringer noch als im Vorjahr 2019. Die Chardonnays betören mit dem selben imposanten Fruchtdruck und einer Power wie 2019. Sie wirken allerdings schlanker und feiner, auch aufgrund von lebhafteren Säuren, die eher an 2017 denken lassen. Es ist mit 2014 und 2017 ziemlich sicher das beste Weißweinjahr der letzten 10 Jahre. Die Balance der weißen 2020er ist herausragend! Die Pinot Noirs sind etwas weniger einheitlich balanciert. Je nach Terroir und Erntezeitpunkt, changieren sie zwischen bestechender Eleganz, Kühle und Finesse bis hin zu gewaltiger, mediterraner Struktur mit hoher Reife bis hin zur Überreife in einigen Fällen. Die topgesunden Beeren waren dickschalig, klein und kernig und gaben nur widerwillig ihren hochkonzentrierten, hochintensiven Saft preis. Die Fruchtfülle und das Parfüm der roten 2020er ist gewaltig, wie dichte Wolken aus Waldfrüchten und dunkler Kirsche schiebt es tieffarbig und reich aus dem Glas. Die Konzentration ist berauschend, die besten 2020er stellen die exzellenten Vorjahre sogar noch in den Schatten – in der Spitze war absolute Weltklasse möglich in diesem Blockbusterjahr. 2020 ist ein beeindruckendes und großes Jahr, das bei den Top-Domaines mit zum besten zählt, was es in den letzten Jahrzehnten gab. Zurücklehnen und genießen mit den verführerischen Pinots und sich mitreißen lassen von den berauschenden Chardonnays. Die erneut kleinen Erträge und der harte Frost in 2021 erzeugen weiter Mengendruck auf das Burgund und die besten 2020er werden schnell rar und gesucht sein.

Mein Winzer

Beaux Freres

Der von Pinot-Noir besessene Weinliebhaber Michael Etzel aus Colorado kaufte zusammen mit seinem berühmten Schwager (das bedeutet Beaux Freres) Robert Parker Jr. und einem weiteren Freund im Jahr 1986 diese acht Hektar große Schweine-Farm in Ribbon Ridge im Willamette Valley, Oregon.