Der 2021er hat eine sehr, sehr feine Nase. Und trotzdem überhaupt nicht zu vergleichen mit der Nase der Weine von Eduardo Eguren auf Cuentavinas. Wir sind hier auch durch das neue Holz und durch die kleinen Erträge in einem ziemlich wuchtigen Bereich unterwegs. Trotzdem ist der Amancio nochmal deutlich feiner als der El Bosque. Fast zärtlich streichelt er die Nase. Die Lakritze ist da, aber nicht so intensiv. Es dominiert die Minze über Eukalyptus, Feige und Assam-Tee. Schöne Süße zeigend mit etwas Blaubeere und süßer schwarzer Maulbeere dahinter. Aber nichts fettes. Etwas Tabakkiste und trotzdem ist das Holz nicht dominant. Die Frucht ist so intensiv! Eine Fülle von samtig-seidigen Tanninen überstahlt alles schon in der Nase. Der Mund changiert sofort Richtung rote Frucht mit Schlehe, Sauerkirsche und schwärzlicher Himbeere. Hohe Intensität ausstrahlend und große Frische. Kühler saftiger Antrunk. Eine geniale salzsteinige Länge. Die tiefe Verwurzelung im Untergrund ist nicht zu leugnen. Was für ein schicker Wein, multikomplex! In seiner Feinheit überstrahlt er El Bosque, aber nicht als besserer Wein, sondern nur, weil er in seiner Art sehr eigenständig daherkommt. Das ist aus meiner Sicht der erste burgundisch daherkommende Wein, auch wenn es für Burgund ein bisschen viel ist. Ziemlicher Blockbuster, aber alles bleibt sehr, sehr fein. 98-100/100 *** Amancio kommt von einem Weinberg mit 16,5 Hektar Reben auf 490 Metern Höhe – 100 Prozent Tempranillo, 1975 von Guillermo Eguren gepflanzt. Also fast 50 Jahre alte Stöcke mit ultrakleinen Erträgen. Der Untergrund besteht aus Sand- und Kalkstein mit einer Auflage aus Lehm und Sand. Biodynamische Bearbeitung. Bosque, Amancio und La Nieta werden auf dem Weingut von 70 Studierenden der nahegelegenen Universität von Hand entrappt. Das nennen die Italiener Uno per uno und ist ein wahnsinniger Aufwand und wirklich phänomenal. Die Studierenden werden mit Wein entlohnt. Anschließend wird im Stahl spontan vergoren. Die Pigeage wird mit den Füßen durchgeführt, wir haben also eine extrem sanfte Extraktion. Ausgebaut in 100 Prozent neuen französischen Barriques. Die 16,5 Hektar Reben ergeben gerade einmal 4.000 Flaschen, geerntet wird in drei Durchgängen und es wird jeweils nur das Allerbeste selektiert. Das ist schon ziemlich extrem.