Sauvignon Blanc: Muss es Neuseeland sein?

Neuseeland Heiner Lobenberg

Sie fragen, Lobenberg antwortet: Frage #3.

Jeden Tag nutzen viele unserer Kunden die Möglichkeit Heiner Lobenberg nach seiner Meinung oder einer persönlichen Weinempfehlungen zu fragen. Die Fragen reichen dabei von eher allgemeinen Formulierungen bis zu detailreichen Szenarien. Es freut uns zu sehen wie aktiv und mit welcher Begeisterung unsere Kunden sich mit dem Thema Wein auseinandersetzen. Deswegen werden wir zukünftig die spannendsten Fragen in unserem Blog veröffentlichen – damit alle daran teilhaben können.

Für die dritte Folge der neuen Blog-Version von »Sie fragen, Lobenberg antwortet« haben wir die Frage von Stephan S. ausgewählt.

Sie fragen:

Sehr geehrter Herr Lobenberg,

ich trinke seit Jahren am liebsten den deutschen Riesling.
Möchte mich aber nun auch mal dem Sauvignon Blanc zuwenden.

Bin ich da mit deutschen Weinen gut bedient oder ist es ein Muss sich z. B. Neuseeland zuzuwenden?

Welche Weine schlagen Sie mir vor?

Könnten Sie mir einmal sechs Flaschen zusammenstellen?

Ich bin gespannt auf Ihre Auswahl.

Mit freundlichen Grüßen
Stephan S.

Lobenberg antwortet:

Lieber Herr S.,

das bleibt selbstredend eine reine Geschmacksfrage. Sauvignon Blanc in Deutschland muss reif sein damit er überzeugt. Daher finden Sie diese Rebsorte auch tendenziell – in unserem so nördlich gelegenen Land – eher in den wärmeren Lagen und Anbaugebieten. Die Pfalz, auch Württemberg und natürlich Baden (einziges Anbaugebiet Deutschlands mit der wärmeren Klimazone B, der Rest liegt in A). Wenn Sie sich auf Deutschland beschränken möchten, reduzieren Sie automatisch die Geschmacksvielfalt. Wir erzeugen hierzulande sicherlich wunderbare Sauvignon Blancs – besonders in der Pfalz. Von Winning ist da wohl das beste Beispiel. Ich lege Ihnen gerne auch mal die Scheurebe nahe. Diese reift in Deutschland meist besser aus und entwickelt ähnliche Aromen wie SB (Stachelbeere, Johannisbeere, Gras usw.). In Frankreich bekommen Sie in der Regel eher mineralisch geprägte Sauvignon Blancs. Die neue Welt strotzt nur so vor SB. Der Stil ist allgemein etwas stahliger und klarer. Also viel Brombeere, Stachelbeere und frisches Gras, während Frankreich mehr Reifearomen zeigt wie Passionsfrucht, aber eben auch die mineralische Komponente unterstreicht. Besonders an der Loire und aus Sancerre!

Anbei einige hoch spannende Sauvignon Blancs – unabhängig von ihrer Herkunft:

Ein ganz typischer Sauvignon Blanc aus Neuseeland.

Für mich ein Must: Von Winning aus der Pfalz. Attmann macht meiner Meinung nach die feinsten SB Deutschlands.

Wenn Sie eine ganz andere Facette dieser Rebsorte erleben wollen: SB im 500-Liter-Holz ausgebaut – rauchig, mineral, keineswegs tropisch fruchtig.

Ellwanger kniet sich hier auch tief rein. Sehr zugänglicher SB, ganz typisch.

Das ist der Klassiker aus Österreich. Immer glasklar, viel Blüten, Holunder, florale Diva!

Und hier wie bei Von Winning das komplexe Gegenstück. Ungewohnt mineral. Mehr Komplexität kann SB kaum erlangen. Kann jahrelang reifen!

Und hier noch zwei Klassiker aus Frankreich:

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Entdeckungsreise!
Ihr
Heiner Lobenberg

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