Von Thiemo Kausch

Ein Weinglas für jede Gefühlslage

Man könnte meinen, dass Weinenthusiasten schon genügend Entscheidungen treffen müssen, bevor sie endlich schmecken können, wozu Natur und Mensch im Einklang imstande sind. Muss ich mir auch noch Gedanken um das Glas machen?


Weiß, Rot oder Schaumwein? Muss der Wein zum Essen funktionieren? Trifft es den Geschmack der Gäste? Alt, jung, schwer, einfach, Hedonismus oder Degustation? So viele Variablen gilt es zu bedenken, man könnte auch das Rechenzentrum im CERN damit beauftragen. Doch wenn der Wein dann erst mal auserkoren, gut temperiert und womöglich noch karaffiert oder dekantiert wurde bleibt noch eine Frage übrig…

Welches Weinglas nehme ich?

In Wahrheit ist der Luxus einer großen Auswahl natürlich keine Bürde, sondern ein Glücksfall für die Sinne: Worauf habe ich heute am meisten Lust? Jetzt kann ich Genießer sein und die Früchte meiner Recherchen und Einkäufe auskosten. Und das gilt für mich auch für das Weinglas, was ich im übrigen nach dem gleichen Prinzip auswähle: Auf welches Glas habe ich gerade Lust? Regeln interessieren mich dabei eher weniger, da kenne ich nur eine gültige: »Flöten gehören ins Orchester«. Meinen Champagner trinke ich in der Regel aus dem Gabriel Gold oder einem anderen Glas mit etwas Volumen. Fertig.
Jede weitere Glasauswahl wird von mehr getrieben als der Frage, was am besten zum Wein passt – nämlich auch, was zur Situation funktioniert. Optik und Haptik sind nicht zu trennen von der sensorischen Wahrnehmung eines Weins, so viel steht fest. Andersrum schadet es aber auch nichts, einen Wein, der gerade nicht so recht performen möchte, mal in ein anderes Glas zu geben und zu beobachten was passiert. Und genau für diese Freuden brauche ich eine kleine Auswahl unterschiedlicher Gläser.

Mein letzter Neuzugang – Die Josephinenhütte

Zusammen mit dem Visionär Kurt Zalto das Design von Weingläsern zu revolutionieren und unter dem Namen einer 1842 gegründeten Glashütte auf den Markt zu bringen, mochte denjenigen, die das Glas noch nicht getestet hatten, etwas schräg vorkommen. Wieso brauchte die Weinwelt noch ein neues Glas? Doch wenn man es erst mal probiert, vor allem im direkten Vergleich zu anderen großartigen Serien, wird einem schnell klar, dass dieses Glas seine Berechtigung hat. Nicht weil es viel besser ist als alle anderen, sondern weil es seine ganz eigene Persönlichkeit besitzt. Mit allen Vorzügen und Nachteilen.

Pro und Kontra

Klar, über Optik lässt sich streiten. Einige sagen, das Glas sei wunderschön, ein Kunstwerk – andere finden den Knick etwas gewöhnungsbedürftig. Das muss jeder für sich entscheiden. Mir gefällt es, gerade weil es nonkonformistisch ist und mir schon beim Ansehen eines verspricht: »Hier kommt der Wein zuerst«, form follows function.
 
Vergleiche ich meine drei Universalgläser von Gabriel, Zalto und Josephinenhütte miteinander wird schnell klar, wo die Stärken des »Knicks« liegen. Er wirkt wie ein Turbolader, ein Teilchenbeschleuniger, womit wir wieder im CERN wären. Selbst subtile Aromen werden deutlicher betont. Dazu wirkt es etwas chirurgischer, aufgeräumter. Man hat das Gefühl die Aromenwelt besser zerteilen zu können. Ein Präzisionsgerät für bewusste Degustationen also.
 
Die bislang größte Schwäche des Universalglases scheinen Schaumweine zu sein. Die werden etwas zu brandig und bitter. Da schlägt sich das Gabriel Gold weiterhin wunderbar. Das spezielle Champagnerglas der Josephinenhütte fegt allerdings alles je Dagewesene weg. Wer also einen großen Sprudelverbrauch hat, sollte auch hier zuschlagen.

Am Ende stehen Gabriel, Denkart Serie und Josephinenhütte stolz nebeneinander und warten auf ihren Moment. Ein hoch auf die Einzigartigkeit.

 

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Über den Autor: Thiemo Kausch

Thiemo ist Chief Marketing Officer bei Lobenbergs GUTE WEINE. Doch auch außerhalb des Büros zählt Wein, neben Essen und Golf, zu seinen größten Leidenschaften. Ab und zu geht er zusammen mit Heiner Lobenberg auf Reisen, um mit Geschichten, Bildern und Videos für Shop und Magazin zurückzukommen.