
Weingut Tesch: Riesling Karthäuser 2024
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- Riesling 100%
- weiß, trocken
- 13,0% Vol.
- Trinkreife: 2027–2039
- mineralisch
- frische Säure
- Lobenberg: 95–96/100
- Suckling: 97/100
- Parker: 95/100
- Deutschland, Nahe
- Allergene: Sulfite
Zutaten:
Trauben Konservierungsstoffe / Antioxidantien: Sulfite (E220–E224)100ml enthalten durchschnittlich Brennwert 78 kcal / 325 kJ Kohlenhydrate 1,4 g Zucker 0,4 g Enthält geringfügige Mengen von Fett, Fettsäuren, Eiweiß, Salz

Heiner Lobenberg über:
Riesling Karthäuser 2024
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Lobenberg: Martin Tesch und sein Sohn Johannes – der unter anderem bei Loosen und Egon Müller gelernt hat und zunehmend Verantwortung in diesem Riesling-Boutique-Weingut übernimmt – haben sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe unter den Underdogs an der Nahe entwickelt. Teschs haben mit 2023 einen solch fantastischen Jahrgang auf die Flasche gebracht, dass wir nicht daran vorbeigehen konnten. Mit 2024 setzt sich die Erfolgsgeschichte fort. Teschs Stil ist stahlig und kristallklar, es ist kein schmusiger Rieslingstil, sondern stets klirrend klar, trocken und mineral. Steinweine für Purismusfreaks auf einem sagenhaften Level für diesen Preis. Auf den Schock der Spätfröste folgte eine recht späte Rebblüte, sowie ein regenreicher, eher kühler Sommer. Erst die August-Sonne brachte dann die Wende und die Reife entsprechend voran. Durchwachsenes Herbstwetter hielt die Winzer und ihre Lesemannschaften auf Trab, sodass viel sorgsames Sortieren notwendig war. Das Ergebnis ist ein faszinierender Jahrgang im Spannungsfeld der Kraft und Stoffigkeit, die das endlich mal wieder ausreichend verfügbare Wasser brachte, und der filigranen Feinnervigkeit des kühlen »slow-summers«. Der Karthäuser ist ein warm exponierter Weinberg, der sich wie ein Amphitheater zum Tal öffnet. Die Reben stehen auf rotem Sandstein, und tatsächlich erinnert der Wein immer ein klein wenig an die Weine vom Roten Hang in dieser pikanten Würze unter der satten, hellgelben Frucht. Wenn man im selben Gebiet bleiben mag, dann fällt mir der Höllenpfad von Dönnhoff ein, der in eine ähnliche Richtung geht. Die 2024er Lagenweine sind auf knapp unter 4 Gramm durchgegoren bei Tesch. Tolle Aromatik in 2024, sehr klar und expressiv, mit rotem Weinbergspfirsich, Orangenabrieb, gelben Blüten. Er hat diesen wunderbaren rötlichen Einschlag in der Frucht, der ihn sehr besonders macht. Mir gefallen die 2024er fast noch etwas besser als die schon großartigen 2023er, weil sie etwas feiner und verspielter sind.
Jahrgangsbericht
»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

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Suckling über: Riesling Karthäuser
-- Suckling: The wild herb and wet-stone complexity of this extraordinary dry riesling is compelling, and together with the very stony acidity it drives the wine over the palate. So intense and forthright that it feels like a big wine, yet when you look at it closely it is actually medium-bodied and extremely focused. Super-long finish. Drink from release. Screw cap.

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Parker über: Riesling Karthäuser
-- Parker: The 2024 Karthäuser Laubenheim Riesling Trocken is intense and floral rather than fruity on the pure yet intense nose that represents the Rotliegend terroir of the cru perfectly well. Full-bodied, elegant and generous yet refined on the palate, this is a mouth-filling and textural, seemingly soft yet on the finish vital, savory and persistently mineral Riesling with enormous vitality and stunning acidity. There are plummy notes on the aftertaste and fine tannin grip. 12.5% stated alcohol. Screw-cap closure. Tasted in July 2025.
Weingut Tesch
Weingut Tesch ist mit Gründung 1723 seit über 300 Jahren in Langenlonsheim ansässig – unter Dr. Martin Tesch und seinem Sohn Johannes hat es sich zu einer festen Größe für Terroirwein in diesem kühleren Teil des Nahetals entwickelt.
