Lobenberg: Der Spätburgunder »R« ist Vincent Eymanns Flaggschiff in Sachen Pinot. Sicherlich der konzentrierteste, aber zugleich auch feinste Rote im Portfolio. Keine Einzellage, sondern eine Selektion aus den besten Parzellen im Mandelgarten und Sonnenberg rund um Gönnheim. Alte Reben, niedrige Erträge, spontane Gärung mit weinbergseigenen Hefen, langer Ausbau im Holz – alles konsequent auf Substanz, Herkunft und Langlebigkeit ausgelegt. 2018 war ein durchaus warmes Jahr, aber ziemlich perfekt für viele Pinots. Absolut wunderschönes Lesegut, kerngesund und vollreif. Vincent bringt hier Jahrgangscharakter und Stilistik in Einklang: reife Frucht, brillante Eleganz und feine Gerbstoffstruktur in perfektem Gleichgewicht. Die Nase ist enorm tief und vielschichtig, gleichzeitig offen und differenziert: schwarze Kirsche, Preiselbeere, etwas Brombeere, daneben getrocknete Cranberry und ein Hauch Sauerkirsche. Dann kommen balsamische Noten: schwarzer Tee, getrocknete Kräuter, Waldboden, ein Anflug von Wacholder und Lorbeer. Die Holzaromatik ist fein eingewoben – etwas Zedernholz, ganz dezente Röstaromen, dazu Anklänge von Piment und schwarzem Pfeffer. Sehr klar, sehr ruhig, kein überaus opulenter Duft, sondern ein strukturierter, balancierter Ausdruck mit enormer Tiefe. Am Gaumen zeigt sich sofort ein dichter Kern, aber ohne Gewicht. Die Tannine sind extrem fein, seidig, aber präsent. Die Frucht bleibt dunkel und saftig, mit kühler Frische. Wieder schwarze Kirsche, etwas Cassis, dazu Hagebutte, ein Hauch Unterholz und Stein. Die Säure ist reif, trägt den Wein über die ganze Länge, bleibt aber im Hintergrund. Im Mittelbau kommt eine leicht herbe, fast kalkige Mineralität hinzu, die für einen irren Spannungsbogen sorgt. Im Nachhall feinwürzig, mit anhaltender Frische und einem Hauch Salzigkeit. Salzige Lakritze, saftiger Kirschdruck. Ein genialer, durchaus großer Pinot, dem das späte Release sehr gut getan hat – jetzt wunderbar antrinkbar, aber noch mit vielen Jahren vor sich.