Lobenberg: Die Cuvée No. 422 ist der etwas frischere und zugänglichere Bruder der tiefgründigen Reserve No. 418 – dabei keineswegs klein. Klein ist im Verhältnis nur der Preis, denn was man hier ins Glas bekommt, ist wirklich genial! Die Grundlage bildet der kühle Jahrgang 2021, ergänzt durch Reserveweine aus sechs vorhergehenden Jahrgängen 2016 bis 2020. Zwei Drittel wurden im großen Holz ausgebaut, ein Drittel in gebrauchten Barriques. Spontanvergoren, 30 Monate auf der Hefe, sehr moderat dosiert mit nur etwa 2 g/l. In der Nase eine fein verwobene, rotfruchtige Aromatik von Weinbergpfirsich und Sauerkirsche, dazu Birne mit Brioche, Walnuss und dezente Kräuterwürze. Kein lauter Auftritt, sondern kontrollierte Vielschichtigkeit – der Einfluss des Hefelagers ist durchaus präsent, aber nie dominant. Die Rebsorten sind klar erkennbar: Pinot Noir liefert Frucht und Textur, Chardonnay sorgt für Präzision und Frische. Am Gaumen ausgewogen und dicht, mit feincremiger Perlage, gut eingebundener Säure und kreidiger Mineralität. Die Struktur wirkt trotz des geringen Restzuckers erstaunlich weich, bleibt aber durch die salzige, kühle Stilistik stets fokussiert. Pfirsich, Zitrus, etwas heller Tabak und eine dezente Würze im Nachhall. Ein anspruchsvoller, aber zugänglicher Schaumwein mit Substanz. Stilistisch zwischen Blanc de Noirs und klassischem Brut Nature angesiedelt – druckvoll, aber nie schwer. Geht einfach bei jeder Gelegenheit.