Lobenberg: Der 2020er wurde 2025 nochmal in kleiner Auflage als Late Release von der Domaine veröffentlich. Es war ein sehr harmonisches, elegantes und zugleich wahnsinnig reiches Jahr. Einen Ticken feiner als 2019 vielleicht, aber schon auch enorm druckvoll. Alles steht auf einem tonigen Terroir mit sehr viel Silex, also Feuerstein. Die Genetik ist zum Teil uralte Serine, wie an der Côte-Rôtie und dem Hermitage, also die Urform der Syrah mit dickerer Haut und viel kleineren Beeren. Natürlich wie alles hier biologisch-organische Weinbergsarbeit, und das seit weit über zwanzig Jahren inzwischen. Dieser Wein ist überwiegend aus uralten Syrah-Reben, ihn gibt es nur in ganz großen Jahren. Der Divergente ist mit dieser Feuerstein Auslegung ein total aparter Wein im Programm. Irgendwo ein ganz eigener Typ. Die Frucht ist zugleich extrem intensiv und hochfein. Wahnsinnig steinig, graphitig, die Frucht muss sich erst langsam unter diesem dichten Deckmantel von Gestein und Geröll durchschieben. Dann kommen süße Schwarzkirsche, Schlehe und feiner Rauch, auch etwas Lakritze. Der Feuerstein erobert die Hoheit aber immer wieder zurück. Die große Eleganz von 2020 zeigt sich dann im Mund. Traumhaft samtig, mit üppigsten Tanninen, die butterzart geschliffen sind. Im Gegensatz zum zarten Etait Une Fois aus Grenache ist das hier ein Konzentrat, das unbedingt Zeit braucht, deshalb auch der Late Release. Der 2020er ist noch immer sehr jugendlich und straff, weitere fünf Jahre sind da mehr als locker drin. Kaum jemand macht so grandiose Syrahs im Süden wie Sebastien Vincenti.
2020 gab es an der Rhône insgesamt relativ normale Mengen. An der Nordrhône vielleicht sogar etwas mehr als im Durchschnitt. Dort geht 2020 sicherlich als ein Jahrhundertjahrgang in die Geschichte ein. Die Tardieus vergleichen 2020 mit einer Mischung aus dem superklassischen und frischen Jahr 2016 und der Tiefe und Dichte aus 2015. Auf keinen Fall so extrem fett und üppig wie 2018 und 2019, sondern deutlich klassischer. Deshalb ist 2020 aus ihrer Sicht einer der ganz großen Jahrgänge überhaupt an der Nordrhône. Im Norden gab es 2020 keinen richtigen Trockenstress für die Reben, weil es im August ein paar Regenfälle gab. Sie kamen genau zur richtigen Zeit. Die Lese startete recht früh, bei Tardieu am 10. September. Also deutlich früher als in anderen Jahren. Insgesamt ist es ein saftiger, langlebiger, dichter und reifer Jahrgang, ohne Überreife, ohne übermäßig Fett wie in 2019 und 2018. Ein richtig klassisches Jahr an der Nordrhône, aber klassisch mit einem Plus an einer Form von Reife, die es früher so nicht gab. Ob Norden oder Süden – in Summe ist 2020 an der Rhône ein großes Jahr. Balancierter und harmonischer als das Kracher-Jahr 2019.