
Robert Weil: Riesling Monte Nostrum 2023
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- 2
- Riesling 100%
- 5
- weiß, trocken
- 12,5% Vol.
- Trinkreife: 2027–2053
- Verpackt in: 6er
- 9
- mineralisch
- frische Säure
- voll & rund
- 3
- Lobenberg: 98–99/100
- Suckling: 98/100
- Galloni: 96/100
- Parker: 96/100
- 6
- Deutschland, Rheingau
- 7
- Allergene: Sulfite,
Abfüllerinformation
Abfüller / Importeur: Robert Weil, Mühlberg 5, 65399 Kiedrich, DEUTSCHLAND

Heiner Lobenberg über:
Riesling Monte Nostrum 2023
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Lobenberg: Monte Nostrum ist der nächste Geniestreich von Riesling-König Wilhelm Weil und seinem Team. Der Wein stammt aus der »coolsten« Lage des Kiedricher Bergs, den höchsten und kühlsten Parzellen oben am Bergkamm, noch oberhalb des Gräfenbergs und Turmbergs am Waldrand gelegen. Am westlichen Ende dieses Bergzuges steht der noch heute erhaltene Bergfried des ehemaligen castellum nostrum, eine Hochburg, die die Mainzer Bischöfe 1160 dort errichten ließen. Der Ansitz war als eine Art »Wachturm« für die bereits damals urkundlich erwähnten Crus Turmberg und Gräfenberg gedacht, deren Trauben schon damals von hohem Wert waren. Die Lage am Bergkopf und in direkter Waldnähe macht den Monte Nostrum zu Weils wohl kühlster Lage. Die kargen Phyllit-Schieferböden sind dem spannungsreichen Turmberg nicht unähnlich, aber es ist die noch kargere Terroirausrichtung, eben auch durch die Höhenlage. Selektive Handlese in mehreren Durchgängen, die sich von Anfang bis Mitte Oktober gezogen haben. Dann folgt eine kurze Standzeit auf den Schalen und langsames Pressen. Die spontane Vergärung und der Ausbau finden für 12 bis 18 Monate in Doppelstückfässern aus heimischer Eiche statt. Schon die Nase fasziniert mit ihrer kristallklaren Erscheinung. Eine Aromenwelt so klar wie ein Alpensee! Der 2023er Monte Nostrum ist atemberaubend und hat mich vom ersten Schluck an gepackt. Für mich nochmal deutlich dramatischer und kühler in der Auslegung als 2022. Ein Ausbund an Agrumenzesten birst aus dem Glas, sehr viel pinke Grapefruit, Orangenöl, frische Alpenkräuter, das Ganze in einer berauschend straffen, saftigen Art miteinander verwoben. Ein Riesling so gerade wie ein Laserstrahl, fokussiert ohne Ende. Ganz hinten ein Anflug schwarzer Johannisbeere und feiner Schieferwürze mit weißem Pfeffer. Der rauchig-graphitige Charakter, wie ihn auch der Turmberg hat, kommt sehr schön durch. Und wenn dann der Mundeintritt kommt, sollte man sich nicht nur gut festhalten, sondern auch anschnallen. Wahnsinnig konzentriert in der Frische, alle Papillen werden einmal gegen den Strich gebürstet. Die Aromen aus der Nase überschlagen sich im Mund nochmal in rasanter Geschwindigkeit. Ein genial geschliffener Bergwein aus Kiedrich, kühl, seidig und doch mit genau dem richtigen Maß an steinig-herbem Grip. Das Ganze spult sich am Gaumen mit einer solchen Dynamik ab, dass man fast aus der Kurve getragen wird. Der Wein ist bei all seiner Elektrizität und Kühle, aber auch stets mit dem Weil'schen Leckergen ausgestattet, mit dieser seidig-hefigen Struktur von weißem Pfirsich und warmem Brioche. Er hat trotz aller Spannung etwas Umarmendes und Entspanntes an sich. Totaler Trinkfluss und unanstrengender Charme, die Säure des Riesling bleibt wunderbar hintergründig als Frische, aber niemals aufdringlich. Lecker ist hier Trumpf! 2023 ist einfach so genial balanciert, für mich das beste Jahr seit 2019, sogar aromatisch köstlicher, weil einfach alles passt. Das ist Rheingauer Bergwein vom Allerfeinsten – auch wenn er mit dem Monte Vacano einen noch beeindruckenderen, vor allem kraftvolleren großen Bruder hat, spielt der sensationell aromatische und finessenreiche Monte Nostrum im großen Jahr 2023 annähernd mit der Perfektion.
Jahrgangsbericht
Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

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Suckling über: Riesling Monte Nostrum
-- Suckling: The essence of steep, high-altitude vineyard Rheingau dry riesling. Totally crystalline and precise, this is anything but big or loud, but is extremely pure and precise. Extremely delicate white peach, cloudberry and white flower aromas. Very stony, but every bit as graceful, the underplayed power first showing its hand in the extremely long finish, where there’s as much wet stone character as I can ever remember experiencing. From organically grown grapes.

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Galloni über: Riesling Monte Nostrum
-- Galloni: The 2023 Riesling Monte Nostrum is a name borrowed from the Archbishops of Mainz, who referred to this elevated vineyard range as monte nostrum (“our mountain”) since the 12th century. This is made from the highest-elevation vineyards situated close to the forest. It was fermented spontaneously in large wood, with the goal of emphasizing precision and capturing the essence of these sites. Subtle citrus tones streak across the nose, along with some yeast. The palate is slender and vivid with lemon and streaks of pink grapefruit, alongside touches of juicy white peach. Zestiness defines the nose, palate and finish. Right now, fresh citrus triumphs, but this should turn into a sleek, bone-dry Riesling of immense energy and poise with its enlivening, energetic freshness. Wait for this. (Bone-dry)

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Parker über: Riesling Monte Nostrum
-- Parker: From the highest plot of the Turmberg and the Gräfenberg (an old lieu-dit named Wasseros that Weil hasn't used for about 30 years) and at least 20-year-old vines rooting in phyllite slate, the 2023 Monte Nostrum Rheingau Riesling Trocken opens clear, precise and savory on the slightly flinty, very precise and coolish nose. Silky, juicy and with fine, crystalline acidity, this is a dense and intense yet pure and savory dry Riesling with a long, saline and stimulating finish. This excellent, very fine Riesling has a concentrated core of perfectly ripe fruit that is cut by laser-beam acidity. Excellent! It's a brand yet at the same time also a terror wine from a defined origin (Wassreros). 9,000 bottles were filled in late July/early August. Entirely sold via Place de Bordeaux. 12.5% stated alcohol. Natural cork. Tasted at the domaine in August 2024.
Robert Weil
Schon von weitem erkennt man die Flaschen von Robert Weil an ihrem charakteristischen Himmelblau. Nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt steht diese Farbe für Spitzen-Rieslinge auf absolut höchstem Niveau. Ein Markenzeichen, symbolisch für die kompromisslose Qualität der Weine von...
