Pio Cesare: Chardonnay L'Altro 2023

Pio Cesare: Chardonnay L'Altro 2023

Chardonnay 95%, Sauvignon Blanc 5%
weiß, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2024–2032
leicht & frisch
fruchtbetont
mineralisch
Lobenberg: 93/100
Suckling zu 2022: 92/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chardonnay L'Altro 2023

93
/100

Lobenberg: Mit L’Altro (übersetzt so viel wie »der andere«) hat das Weingut Pio Cesare einen würdigen Zweitwein für den fabelhaften reinsortigen Chardonnay Piodilei kreiert. Die Trauben kommen aus der Höhenlage »Il Bricco« in Barbaresco, sowie »Bossania« in Trezzo Tinella und »Mosconi« in Monforte d’Alba. Nach der Gärung im Stahltank wird der Chardonnay wenige Monate in gebrauchten Barriques ausgebaut. Leuchtendes Zitronengelb mit einem Hauch Silber. Die Nase zeigt sich in vielerlei Facetten. Zum einen puristisch und gelb-fruchtig mit saftigem, duftendem weißem Pfirsich, gelben Äpfeln, einem Hauch Bananenschale und weißen Obstblüten. Zum anderen kommt cremiges, frisch gebackenes, salziges Brioche hinzu. Im Mund ist der Wein ein mineralischer Geradeausläufer. Schnurstracks gleitet er in einer Mischung aus zitrischen Aromen von Salzzitronen, gelben Frühäpfeln, dezent bitteren Kräutern, einem Hauch Minze und frischem Gesteinsmehl über die Zunge. Dezent hefige Noten kommen hinzu – insgesamt eher in die Chablis Richtung gehend als in die eines reichhaltigen Blockbuster Chardonnay. In den letzten Jahren wurden die Weißweine des Weinguts Pio Cesare immer besser. Der Chardonnay Piodilei gehört inzwischen zu den feinsten und besten, leider aber auch zugeteilten Weinen der Region. Sein kleiner Bruder L’Altro ist in dieser Preisklasse schon eine kleine Sensation.

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

Verkostungsnotiz
92
/100

Suckling zu 2022 über: Chardonnay L'Altro

-- Suckling zu 2022: This shows notes of glazed lemons and white nectarines with hints of dried currant leaf, beeswax and crushed stones. Medium-bodied, creamy and sleek with a polished and textural finish. Focused and attractive. Drink or hold.

Mein Winzer

Pio Cesare

Federica Boffa übernahm Pio Cesare im jungen Alter von 24 Jahren und steckt jetzt all ihre Energie in das traditionelle Familienweingut. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen! Im Jahr 1881 gründete Pio Cesare in Alba seinen kleinen Weinbaubetrieb. Damals war das Piemont eine arme Region, und...

Chardonnay L'Altro 2023