Peter Lauer: Riesling Schonfels Faß 11 Großes Gewächs 2024

Peter Lauer: Riesling Schonfels Faß 11 Großes Gewächs 2024

VDP

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2030–2049
mineralisch
fruchtbetont
Lobenberg: 97/100
Suckling zu 2023: 100/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Schonfels Faß 11 Großes Gewächs 2024

97
/100

Lobenberg: Das Jahr 2024 war eines der kühlsten dieses Jahrtausends, wir sind aromatisch in Richtung 2013 oder 2016 unterwegs, aber mit der Präzision und der extremen händischen Selektion, wie sie heute vorgenommen wird, ist das eine ganz andere Nummer. Wir driften weder in Unsauberkeit, noch in Botrytislastigkeit, sondern es bleibt enorm fokussiert und eben animierend straff und athletisch. Ich mag das sehr, wie eine moderne Version von 2008 oder 2016 mit etwas mehr Frische und Pikanz. Aromatisch hat der Weine eine hohe Dichte und Konzentration, schlank zwar, aber absolut nicht karg. Nein, 2024 hat bei all seiner Leichtigkeit schon Substanz und Schmelz. Es waren eben sehr kleine Erträge, Lauer hat ungefähr 60 Prozent verloren durch Frost und sehr frühe Fäulnis, die dann abgefallen ist, da gab es dann einfach keine Trauben. Das Ergebnis ist ein kühler, hochfeiner und zugleich sehr konzentrierter, extraktreicher Jahrgang. Sehr niedriger Ertrag aus den alten Knorzen. Spontan vergoren und ausgebaut im Moselfuder. Wir haben im Schonfels immer wenig Fruchtausdruck, es ist ein kühler Gesteinshammer, feiner gezeichnet als die Kupp, die immer etwas expressiver ist. Schonfels ist ruhiger, würziger, verschlossener. Meist hat er aber auf lange Sicht die Nase vorn, wohingegen die Kupp etwas jünger schon ansprechender ist. Schonfels braucht viel Zeit, und 2024 besonders. Schonfels hat immer diese Kontradiktion aus den sehr kühlen, windigen Parzellen am Hangkopf und dem sehr warmen Teil am Hangauslauf. Schonfels ist reich und doch so kühl und mineral. Die Klarheit ist faszinierend, völlig in sich ruhend, keinerlei Selbstdarstellung oder Lautstärke. Warmer Sommerregen auf Asphalt, dunkle Mineralität, aber heller Fruchtausdruck, Feuerstein, Apfelschale, Quitte, etwas Exotik von Melone und Pomelo dazu. Das Ganze ist sehr kompakt, in sich verwoben und mit einer strahlend-frischen Salzigkeit ausgestattet, die den Wein in eine große Länge zieht. Filigran, aber bestimmt. Schonfels 2024 hat, genau wie 2023, eine große Zukunft vor sich.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Verkostungsnotiz
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Suckling zu 2023 über: Riesling Schonfels Faß 11 Großes Gewächs

-- Suckling zu 2023: The haunting nose of white peaches and white flowers pulls you into this incredibly concentrated and graceful medium-bodied dry Saar riesling. A wealth of subtle spices, too. Hard to wrap my head around even the first impression of this giant of delicacy, but then comes the almost endless finish that has profound mineral details. And for a moment you feel like you stepped out of this world of strife. Limited production. Drinkable now, but best from 2025.

Mein Winzer

Peter Lauer

Ein junger VDP-Winzer. Das Weingut liegt in Ayl, hat sieben bis acht Hektar und wird in fünfter Generation von Florian Lauer bewirtschaftet. Das Weingut arbeitet biologisch-organisch, ist aber nicht zertifiziert und folgt auch nicht allen Richtlinien, da der Winzer Kupfer ablehnt.

Riesling Schonfels Faß 11 Großes Gewächs 2024