Lobenberg: Altes Land, neuer Wein. Der neue »Tokaj-Einstieg« von Roland Velich, jetzt unter dem Moric Label. Eine Cuvée aus zwei Rebsorten, die seit Jahrhunderten das Rückgrat der Region bilden. Furmint und Hárslevelű, 70 zu 30, aus uralten Reben auf vulkanischem Untergrund. Tiefverwurzelte Parzellen in den Ortschaften Tállya, Tarcal und Tokaj selbst. 2023 war ein Jahr ohne Extreme. Ein kühler Frühling, ein ausgeglichener Sommer mit gelegentlichen Regenfällen, ein langer, ruhiger Herbst. Perfekte Bedingungen für diesen stilistisch klaren, trockenen Tokaj mit Struktur, Frische und Substanz. Der Ausbau ist Moric-typisch zurückhaltend präzise: Ganztraubenpressung, spontane Gärung und Malo im großen Holz. Keinerlei Schönung, minimal geschwefelt. Insgesamt etwa ein Jahr Reife, zuerst auf der Vollhefe im großen Fass, dann im Stahl. In der Nase eine subtile, aber trotzdem sehr vielschichtige Aromatik. Zunächst florale Noten – Lindenblüte, etwas Holunder, getrocknete Kamille, die sich mit zarten Feuersteinnoten verbinden. Dann tauchen weißer Pfirsich, reife Limette und Williamsbirne auf. Hárslevelű bringt Würze: Muskatnuss, Piment, etwas Wacholder, aber alles sehr fein verwoben. Furmint kontert mit Zitrus, Stein und kühler Tiefe. Am Gaumen straff, schlank und mit ordentlich Grip. Furmint liefert das Rückgrat: geradlinig, zitrisch, salzig. Hárslevelű schmiegt sich drum herum, macht das Ganze rund, floral, ein Hauch Mango vielleicht, leicht mürber Apfel. Die Säure ist fein, fast unmerklich, aber trägt bis ins lange, sehnige Finale. Keine Opulenz, kein Fruchtschmeichler – dafür Präzision, Textur und ein salzig-mineralischer Kern, wie man ihn sonst am ehesten von reduktiven Jura-Weinen kennt. Das ist vielleicht erstmal kein Tokaj, wie man ihn kennt – und gleichzeitig genau das. Die große Tradition trocken gedacht, modern interpretiert, aber ganz aus der Landschaft heraus gelesen. Kein Fassmonster, keine Botrytis, sondern ein salziger, fordernder Wein mit Charakter und Tiefe. Grandiose Ergänzung!