Lobenberg: Der Kallstadter Saumagen ist ohne Zweifel eine der berühmtesten Lagen der Pfalz – geprägt von Kalkstein, kühler Ausrichtung und einer langen Historie großer trockener Rieslinge. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch Bernd Philippi, der bei Koehler-Ruprecht in den 1990er-Jahren ikonische Weine schuf. Bis heute bleibt die Philosophie im Keller unverändert: spontane Vergärung, Ausbau im großen Holzfass, langes Hefelager, keine Schönung – traditionell und handwerklich im besten Sinne. 2023 bringt Frische, Saft und Klarheit – und das zeigt sich beim Kabinett besonders eindrucksvoll. In der Nase helle Zitrusfrucht, weißer Pfirsich, etwas Weinbergpflaume und grüne Birne. Dazu kommen feine Kräuteranklänge – Zitronenmelisse, Fenchelkraut – sowie ein Hauch von Kamille und frische Blüten. Darunter liegt eine kühle, kreidige Mineralität, ganz typisch für den Saumagen. Am Gaumen fleischig und saftig, mit klarer Frucht, aber nie überreif. Die Säure ist reif, mild und elegant eingebunden, nichts Spitzes. Die Textur wirkt cremiger als bei vielen Kabinettweinen, fast weich, aber ohne Schwere. Reifes Steinobst, ein Hauch Grapefruit, zarte Kräuterwürze – alles sehr fein, sehr balanciert. Das ist ganz klassische Pfalz: ein Maul voll Wein, aber dennoch mit Leichtigkeit und Spiel. Der Abgang ist lang, frisch und geprägt von Zitruszeste und kalkiger Würze. Kein lauter Wein, sondern ein ruhiger, trockener Kabinett mit Tiefe, Präzision und viel Charakter. Sehr gelungen und ganz typisch K-R.