Jülg: Chardonnay Rechtenbacher Pfarrwingert Erste Lage 2024

Jülg: Chardonnay Rechtenbacher Pfarrwingert Erste Lage 2024

Chardonnay 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2039
Lobenberg: 95/100
Falstaff zu 2023: 93–95/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chardonnay Rechtenbacher Pfarrwingert Erste Lage 2024

95
/100

Lobenberg: Der Pfarrwingert liegt oberhalb der Kirche von Rechtenbach – eine Lage mit natürlicher Spannung: oben der kühle Wald, unten reiner Kalkfels, dazwischen Buntsandstein-Verwitterung. Eine Lage mit spannendem Charakter, kühl und kraftvoll zugleich. Der 2024er Chardonnay zbildet das perfekt ab in seiner puristischen, schnörkellosen Form – ganz ohne Make-up, aber mit umso mehr innerer Präzision. In der Nase klar und reduziert, aber nicht karg – eher kontrollierte Energie mit feiner Frische. Limettenschale, weißer Pfirsich, etwas Zitronenverbene, begleitet von feinem Rauch und einem Hauch frischer Kräuter. Das Holz ist da, aber sehr nobel eingesetzt: ein feiner Hauch von gerösteter Haselnuss, ein wenig Zedernholz, völlig integriert. Es riecht schon so kalkig, kühl, fast salzig. Am Gaumen dann sehr straight, fest gebaut, mit reifer Säure und griffiger Textur. Nichts Breites, nichts Üppiges – sondern ein Chardonnay, der auf Spannung, Zug und Länge setzt. Gelbe Zitrusfrucht, weißer Tee, kühle Würze. Sehr pur, fast puristisch, aber mit Tiefe und leiser Kraft. Der Holzausbau im Halbstück unterstützt die Textur, verleiht dem Wein Dichte und Schmelz – ohne ihn zu beschweren. Im Ausklang salzig, steinig, mit kristalliner Klarheit. Der Wein bleibt lange im Mund, ohne laut zu werden. Ein Chardonnay, der mehr auf Architektur als auf Aromatik setzt, aber genau darin liegt seine Stärke. Hochfokussiert, mit burgundischer Stilistik und eigenständiger Pfälzer Handschrift. Ruhig, präzise, elegant. Sehr schön!

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Verkostungsnotiz
93–95
/100

Falstaff zu 2023 über: Chardonnay Rechtenbacher Pfarrwingert Erste Lage

-- Falstaff zu 2023: Tief und francophil im ersten Duft: Limettenmelisse, Veilchen, reife gelbe Frucht, Feuerstein und nasser Kalk. Am Gaumen dosierte Kraft, präzise, bei reifer gelber Frucht und feiner Holzwürze. Alles fein balanciert von inspirierender Säure. Langer Nachhall.

Mein Winzer

Jülg

Das Weingut Jülg im südpfälzischen Schweigen-Rechtenbach ist schon längst kein Geheimtipp mehr. Winzer Johannes Jülg zählt mit seiner absolut eigenständigen und sehr burgundischen Stilistik bereits seit einigen Jahren zur qualitativen Spitze der Pfalz.

Chardonnay Rechtenbacher Pfarrwingert Erste Lage 2024