Lobenberg: Das schicke, geblümte Etikett könnte glauben lassen, dies sei ein fruchtoffener Rosé – aber der Balsamia ist vielmehr ein Dämmerzustand aus Licht und Schatten, ein roséfarbener Traum mit dunklem Kern. Wer Christian Tschida und seine Weine kennt, weiß das eh. Kein Felsen II in diesem Jahrgang, dafür dieser neue Ausdruck: Tschida füllt 2024 erstmals diese Interpretation seiner Syrah-Parzelle – und zwar nur in Magnum. Und wer sie öffnet, spürt sofort: Das hier ist keine einfache, rosarote Sommerlaune, sondern ein stilles, tiefes Beben. Die Trauben stammen von kalkhaltigen Böden nahe des Neusiedler Sees, von Hand gelesen, direkt gepresst, ohne Intervention, ohne Filtration, ohne Schwefel. Was bleibt, ist der reine Ausdruck eines Ortes und einer Haltung. Rosé? Vielleicht. Aber eher ein flüssiger Zwischenzustand – irgendwo zwischen Rot, Rosa und Rauch. Im Glas schimmert der Balsamia in einem dunklen, fast ziegelsteinfarbenen Roséton – wie getrocknete Rosenblätter, durchzogen von etwas Kupfer. In der Nase entfaltet sich eine stille Dramatik: schwarze Herzkirschen, getrocknete Feigen, zarte balsamische Noten, Lavendel, Piment. Dazu ein Hauch Wacholderrauch, zerstoßener Rosmarin und diese fast erdige Wärme. Nichts Schrilles, nichts Lautes – alles gedeckt, tief, sehr ruhig. Am Gaumen dann eine feinmaschige Struktur, samtig, aber mit kühlem Griff. Die Säure ist wie ein Seidenfaden durch das Zentrum gezogen – trägt, ohne zu schneiden. Der Wein gleitet – balsamisch, kräuterwürzig in seiner Aromatik. Wieder dunkle Kirsche, aber auch Blutorange, ein Hauch rosa Pfeffer, etwas Assam- und Rooibostee. Im Abgang bleibt ein feines Spiel aus herber Frucht und kräutrigem Nachklang. Kein Rosé zum Wegtrinken, sondern zum Versinken. Balsamia ist keine Farbe. Es ist ein Zustand. Ein roséfarbener Schattenwurf. Wie das letzte Licht am Horizont. Ein Wein, der nicht um Aufmerksamkeit buhlt, sondern sie ganz beiläufig einnimmt. Und einmal mehr zeigt Christian Tschida: Kategorien zählen nicht, sondern nur das Ergebnis im Glas.