Dieses Weingut verfolge ich jetzt seit vielen Jahren. 2018 war sehr gut, 2019 war grandios, 2020 ebenfalls. Und 2022 bleibt seiner Linie treu: Man merkt eindeutig die Handschrift der Winemaker von Vérité aus Kalifornien. Pierre Seillan, geboren in der Gascogne, ausgewandert nach Cali, Erfinder und Entdecker von Vérité. Reiche, dichte Frucht, tolle Süße und Opulenz, aber nicht fett. Reiche Schwarzkirsche und Maulbeere, dazu süßer Holunder und süße schwarze Lakritze, Wacholder, Feige, auch dunkler Nougat. Unglaublich duftig! Satte Flieder- und Veilchennote, die Veilchen werden immer stärker. Das Ganze changiert in einer Pikanz, die sehr stark an 2019 erinnert. Was für eine schöne Nase! Der Mund lässt die Augen zusammenziehen. Diese enorme Pikanz im Stile eines 2019er… unglaubliche Frische! Pinke Grapefruit, dazu eine leichte Chilischärfe, obwohl keine Rappen zugegeben wurden. Unglaubliche Intensität im Mund, druckvoll mit Holunder und säurebeladener Himbeere, auch Schlehe, pinke Grapefruit und immer wieder rollt der Holunder hoch. Salzig, steinig und lang – überhaupt kein Ansatz von Trockenheit oder Hitze aus 2022, sondern eher ein saftig-frischer, aber enorm reicher Wein. Er steht für Minuten. Eine Wuchtbrumme voller Finesse und Verspieltheit. In dieser Dynamik fast dramatisch! Das ist wirklich ein Saint-Émilion großer burgundischer und kalifornischer Schule. In Nachhall kommt auch ein bisschen frisches Blut durch, das in seiner Penetranz für Minuten steht. Aber es ist eine wunderschöne Penetranz, die sich dann mischt mit ein wenig Holzkohle und Grafit. Auch Minuten, nachdem wir das Château verlassen haben, haftet dieser Geschmack im Mund. Mit Blut, Eisen, Grafit, Cranberry und Hagebutte. Schräg… lang… grandioser Saint-Émilion! Und dafür kostet er einfach gar nix. Die neuen Superstars der Côte Pavie – von Lassègue bis Bellefont-Belcier – sind heute auf dem gleichen Level wie Larcis Ducasse und der kostet mittlerweile zurecht das Drei- bis Vierfache. Diese grandiose Côte Pavie mit den Flagships Pavie, Tertre Roteboeuf und den aufschließenden neuen Superstars Lassègue, Bellefont-Belcier und Larcis Ducasse… Superber Wein! *** Das Weingut auf dem Kalksteinplateau gehört heute zur Jackson-Gruppe aus Kalifornien. Seit Jahren ein Rising Star. Der Winemaker und Mitbesitzer Pierre Seillan war früher nur bei Vérité, das ja zu Jackson gehört. Lassègue 24 Hektar mit 60 Prozent Merlot, 35 Prozent Cabernet Franc und fünf Prozent Cabernet Sauvignon. 25% geht in den Zweitwein von den unteren Sandböden, 75% auf Kalkstein mit Lehm und Kies. Die Reben sind 60 Jahre alt. Der Alkoholgehalt vom 2022er liegt bei 14,7 Volumenprozent, der pH-Wert bei 3,67. Zu 65 Prozent wird der Wein im neuen französischen Holz ausgebaut, zu 35 Prozent im einjährigen Holz. Gelesen wurde zwischen dem 15. September und dem 01. Oktober.