Pinot Noir Rose Schweigen 2022

Friedrich Becker: Pinot Noir Rose Schweigen 2022

VDP

Zum Winzer

94
100
2
Pinot Noir 100%
5
rosé, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2024–2036
Verpackt in: 6er
9
mineralisch
strukturiert
3
Lobenberg: 94/100
Galloni: 91/100
6
Deutschland, Pfalz
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Pinot Noir Rose Schweigen 2022

94
/100

Lobenberg: Der neue Rosé aus dem Hause Becker, quasi ein Rosé Fumé aus dem Holz. Und wie es sich für einen »echten Becker« gehört, ist das hier weit weg von Standard-Rosé, sondern er bringt eine ultrafeine, elegante Rauchigkeit und Struktur mit sich. Die Trauben stehen in der Ersten Lage Steinwingert und wachsen auf elsässischer Seite auf Sandsteinverwitterungsboden. Reiner Pinot Noir, zwischen 10 und 50 Jahre alte Reben. Selektive Handlese, nur Saftabzug, kein Pressen der Trauben. Vergoren und ausgebaut in gebrauchten Barriques. Über acht Monate darin auf der Feinhefe ausgebaut, anschließend nur ganz minimal filtriert gefüllt. Schon die Nase ist großes Kino! Feine, rauchige, reduktive Spannung. Feuerstein, etwas Streichholz, feine Hefenoten. Rote Kirsche, Himbeere und rote Johannisbeere, dazu kommen etwas ätherische Anklänge. Blutorange und ein Hauch mediterrane Kräuter. Am Gaumen mit zupackender Säure, feinsalziger Mineralität und geschliffenen Gerbstoffen. Wieder rotfruchtig, salzige Himbeere und saftige Zitrusfrische rollt immer wieder hoch. Sehr gut strukturiert, fest gebaut und mit genialer Länge. Immer wieder Salz im Nachhall. Wenn einer der besten Pinot-Winzer Deutschlands einen Rosé macht, kann einfach nur so etwas schickes dabei rumkommen. Genial! 94/100

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

91
/100

Galloni über: Pinot Noir Rose Schweigen

-- Galloni: The 2022 Rosé Pinot Nor Schweigen was harvested in the Erste Lage Steinwingert from 15- to 25-year-old vines on limestone, then matured in used barrique. A vivid pink already signals full flavor. The nose is slightly smoky, and later on, berry hints appear. The palate is full, pitched between a full-bodied white and a light-bodied red. The freshness is bright, and the texture has a haze of fine tannin, richer yeastiness and tingling freshness. This is a rather gastronomic Rosé with much substance countered by proper freshness. (Bone-dry) 91/100

Mein Winzer

Friedrich Becker

Friedrich Becker gehört seit vielen Jahren zu den besten Winzern Deutschlands. Als er 1973 das elterliche Weingut übernahm, trat er sofort aus der Winzergenossenschaft aus. Friedrich Becker war ehrgeizig und ist es bis heute geblieben. Seit dieser Zeit gilt auf Weingut Friedrich Becker das Augenmerk...

Pinot Noir Rose Schweigen 2022