Kastilien und León - Weine mit Hochland-Charakter, ob aromatische Weißweine aus Rueda oder kraftvoller spanischer Rotwein-Power aus Toro.
Spanischer Weinbau - brüllende Hitze, knallende Sonne und 365 Tage Dürre. Fette, nur von der überbordenden Frucht dominierte Weine, die man vielleicht im tiefsten Winter vor dem Kamin oder zu einem fetten Steak trinken kann. Doch Fehlanzeige! Spanien ist riesig und im Nordwesten der iberischen Halbinsel treffen wir ein Klima an, welches Weine mit Weltklasse formen kann, von zart und finessenreich bis kräftig und imposant. Viva España!
Die Meseta ist das Herz des Hochlands von Castilla y León, wie die Spanier die Region nennen. Hier tanzt an einigen Stellen das kontinentale Klima des spanischen Inlandes mit dem atlantischen Klima Seguidilla, abgefedert werden diese Extreme durch die Höhenlage. Genauso wie das Klima, tanzen auch die Weine aus Kastilien und León über den Gaumen derer, die ein wenig über den Tellerrand des Einheitsbreis hinausschauen.
Befinden tut sich die Region im Norden der Mitte Spaniens und grenzt an 7 andere spanische Provinzen, sowie im Westen an Portugal. Eigentlich ist die Gegend so unglaublich divers, dass es gar keinen Sinn ergibt, sie als Ganzes aufzufassen. Mit dem Bierzo im Norden, Alanza und Ribera del Duero im Osten und Arribes an der Grenze zu Portugal im Westen stehen die einzelnen DOs wirklich extrem für sich selbst. Die Region ist mit ihren 94.000 Quadratkilometern wirklich absurd groß und in diesem riesigen Gebiet stehen knapp 80.000 Hektar Rebfläche, auf denen über 600 Bodegas ihren Wein produzieren. Diese 600 Bodegas keltern aus diesen Flächen jährlich fast 2 Millionen Hektoliter Wein pro Jahr. Definitiv keine kleine Menge!
Im Sommer brennt die Sonne tagsüber mit Temperaturen von teilweise über 35 Grad gnadenlos auf die Reben, in der Nacht stürzen die Temperaturen oft unter 12 Grad. Diese extremen Amplituden hören allerdings nicht bei Tag und Nacht auf, im Winter liegt in Kastilien und León nicht selten Schnee, verbunden mit den schroffen Winden kann es doch recht ungemütlich werden, während deutsche Touristen der heimischen Kälte gerne durch einen Aufenthalt im Süden Spaniens entkommen. Schroffer Wind hört sich erstmal furchtbar an, für Reben und Winzer ist er allerdings ein Segen, denn Krankheiten haben kaum eine Chance, dementsprechend wenig muss gespritzt werden, viele Winzer haben den Luxus, ohne großes Zutun biologisch arbeiten zu können.
Die teilweise uralten, von der Reblauskatastrophe unberührten Reben wachsen auf teilweise bis zu 1.200 Metern, wir reden hier über Schweizer Verhältnisse!
Das Ergebnis sind Weine mit ausgeprägter Säure, voller Frucht, hervorragender Tannin-Struktur und feinster Aromenausprägung. Allerdings ist das Gebiet groß und ebenso können regionale Stile und Klimata recht deutlich abweichen. Kastilien und León ist auch das kulturelle Herz Spaniens - das Land Don Quijotes - das Fundament der gesamten Nation, sowohl sprachlich, geschichtlich als auch weinbaulich. Die Römer setzten, wie in so vielen Regionen, den Grundstein für den Weinbau, welcher dann von Klöstern weitergeführt wurde. Die Mönche wussten damals schon, was gut ist und auch der Adel erkannte dies schnell. Bereits im 16. Jahrhundert waren die edlen Tropfen aus Kastilien und León so hoch angesehen, dass sich sogar die Habsburger am spanischen Königshof die Finger nach den Weinen leckten.
Heute umfasst Kastilien und León knapp 70.000 Hektar Rebfläche. So groß und divers, dass wir von Lobenbergs die sehr »andere« westliche Subregion D.O. Bierzo (die vom Klima, als auch von den vorherrschenden Rebsorten eher zu Galicien gehört) als eigenständige Region anführen, politisch ist das natürlich Kastilien und León. Und auch das Filetstück von Kastilien, die berühmte, bis ins Inland reichende D.O. Ribera del Duero, präsentieren wir trotz der politischen Zugehörigkeit separat, da sie auch international meist einzeln genannt wird. Die D.O. Toro und die D.O. Rueda, welche beide vom Fluss Duero durchquert werden, sind für uns der wichtigste, verbleibende Teil für die Weine aus Kastilien und León.
Rueda ist ein wahrhafter Sonderling in Nordkastilien. Im eigentlichen Rotwein Hot-Spot Kastiliens legt die Region auf 800 Höhenmetern den Fokus auf aromatische und vergleichsweise mineralische Weißweine, hauptsächlich aus den Rebsorten Verdejo und Viura, die spanische Antwort auf Sauvignon Blanc aus Marlborough. Das karge Terroir, ohne viel organisches Material, besteht aus viel Kies über etwas Lehm und einer Kalksteinunterlage. Das Weingut Marques de Riscal, ein Urgestein aus der Rioja, etablierte in den 70er-Jahren eine fruchtig frische Weißweinlinie als das Fundament der Region für einen weltweiten rasanten Aufstieg. Damit Verdejo seine spritzige Frische behält, war ein Holzausbau damals meist ein Griff ins Leere. Das wurde durch den neuen Superstar, Belondrade y Lurton, dann in den 90ern im Schnellverfahren mit brachial widerlegt. Der Holzeinsatz ist hier spektakulär und in dieser Sparte gibt es mittlerweile einige große Weine, die Fülle und Frische vereinen.
DER Spanische-Superstar Telmo Rodriguez mit seinem »Basa«, und mehr noch mit dem »El Transistor«, zeigte dann in den letzten 10 Jahren neben der »Bodega Pita«, wie man mit Holz und Verdejo perfekt umzugehen hat. Die besten Verdejos sind heute Unikate und weit entfernt von der Langweile und Uniformität mancher Marlborough Sauvignon Blancs. Obwohl die ersten spektakulären Weine der Region mit internationaler Beachtung vor über 30 Jahren gekeltert wurden, ist hier noch einiges in Bewegung und wir warten nur darauf, Ihnen den nächsten Überflieger präsentieren zu können!
Rotwein gibt es westlich von Rueda und weiter aufwärts des Duero in der Region Toro. Und was für welche! Reichhaltige, kräftige und teils gar wuchtige Rotweine, jedoch immer mit einem gewissen Twist, gepaart eine im Idealfall perfekte Expression der Herkunft. Die teils uralten, wurzelechten Buschreben wachsen hier in Höhenlagen auf kalkhaltigen Böden, teils mit Kies und Sand versetzt. Das Ergebnis sind wahre Raketen. Denn wie bei einer perfekten Silvesterrakete ist der Wein nicht nach dem ersten Aufprall im Mund weg, sondern es folgt Fontäne um Fontäne, Geschmack nach Geschmack, Schmelz, Mineralität, Beeren, Wucht, Finesse, Säure, samtiges Tannin, eine fast unendliche Tiefe und vor allem ein langer Abgang, der bei den besten Weinen über mehrere Minuten anhält.
It's almost impossible not to compare Toro with Ribera del Duero. While Toro is certainly more rustic, there might be better wines on average in Toro than in Ribera del Duero…
Die biologisch arbeitende »Teso La Monja« der Eguren-Familie ist Experte im Anbau von ultra alten wurzelechten Tempranillo Reben und bilden mit Telmo Rodriguez und der früher ebenfalls den Egurens gehörenden Bodegas Numanthia die qualitative Speerspitze des Toros. In Toro gibt’s noch mehr Wucht und Druck als in Ribera del Duero, aber mangels extremer Höhenlagen manchmal weniger Finesse und Eleganz.




