St. Antony: Riesling Nierstein Hipping Großes Gewächs 2024

St. Antony: Riesling Nierstein Hipping Großes Gewächs 2024

BIO

VDP

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2050
frische Säure
mineralisch
Lobenberg: 95–96+/100
Suckling zu 2023: 94/100
Deutschland, Rheinhessen
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Nierstein Hipping Großes Gewächs 2024

95–96+
/100

Lobenberg: Dirk Würtz, der ja federführend bei St. Antony ist, hat sich entschieden, alle GGs zu 100 Prozent im Edelstahl zu vergären und auszubauen. Komplett spontanvergoren, während des gesamten Prozesses und auch zur Füllung nur sehr niedrig geschwefelt, das ist spürbar, die Weine zeigen sich offen, klar und zugänglich, selbst im jungen Stadium eher leicht oxidativ, zumindest keineswegs reduktiv, trotz des Stahlausbaus. St. Antonys Parzelle im Hipping heißt Käferberg, diese liegt im hintersten Teil des Hippings direkt an den Brudersberg und das Pettenthal angrenzend. Das Besondere hier ist, dass die Parzelle nordwärts gerichtet ist. Die Rheinfront insgesamt ist natürlich ein ziemlich warmer Fleck eigentlich, die großen Lagen hier reifen auch in kühlen Jahren gut aus. In der kühlen Hipping-Parzelle musste dennoch um Reife gekämpft werden, sehr späte Lese. Das ist natürlich ein großes Plus. Wie viele Topwinzer presst auch St. Antony sehr langsam, über 6 bis 8 Stunden mit viel Luftkontakt, um eine gewisse Phenolik zu erhalten und um etwas Mostoxidation zuzulassen. Für den Roten Hang war 2024 ein geniales Jahr, da hat alles gestimmt. Diese warmen Terroirs am Rhein struggeln mit zu großer Hitze und vor allem zu großer Trockenheit, beides war 2024 nicht der Fall. Null Trockenstress, zudem ein moderater, kühlerer Sommer mit später, aber solider Reife. Die Alkoholgrade sind angenehm tief geblieben für die GGs, auch das trägt zu diesem wahnsinnigen Trinkfluss von 2024 bei. Hipping strahlt entsprechend eine hohe Reife aus, satte Orangenfrucht, pinke Grapefruit, Nektarine, Orangenblüte. Sehr konzentriert und kraftvoll, dabei aber nie den Trinkfluss verlassend. Diese aromatische Wucht, die völlig unbeschwert und energetisch daherkommt, ist schon etwas Besonderes in 2024. Kühles Gestein trifft warme Frucht, das erzeugt eine grandiose Spannung im Mund. Ein Hipping wie aus längst vergessenen Zeiten, schlank, fein und kühl, aber voller Geschmack und Exotik. Faszinierend.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Verkostungsnotiz
94
/100

Suckling zu 2023 über: Riesling Nierstein Hipping Großes Gewächs

-- Suckling zu 2023: Although this youthful riesling GG is still tightly wound, the complex persimmon, mandarin orange and smoke character is already exciting. This has a special succulence on the mid-palate, then the long, filigreed, crushed stone finish. From biodynamically grown grapes with Demeter certification. Drink or hold. Screw cap.

Mein Winzer

St. Antony

Das Weingut St. Antony ist eine der Perlen in Nierstein am Rhein. Mit über 100 Jahren Historie ist es heute unter Betriebsleiter Dirk Würtz einer der modernsten und dynamischsten Betriebe Rheinhessens.

Riesling Nierstein Hipping Großes Gewächs 2024