Spätburgunder vom Kalk 2021

Jülg: Spätburgunder vom Kalk 2021

VDP

Zum Winzer

92
100
2
Pinot Noir 100%
5
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2024–2031
Verpackt in: 6er
9
fruchtbetont
saftig
3
Lobenberg: 92/100
Gerstl zu 2020: 18/20
6
Deutschland, Pfalz
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder vom Kalk 2021

92
/100

Lobenberg: Die eher ins Violett gehende Farbe verspricht eine Tendenz Richtung Kirsche, Richtung Frankreich. Beim ersten Hineinriechen kommt dann aber zunächst doch Erdbeere, aber Wilderdbeere, nichts Eingelegtes oder Bonbon-artiges. Sie ist unterlegt mit wilden Kräutern und zieht die Nase tiefer ins Glas. Und dann auf einmal kommt doch die Kirsche. Wunderbar fein rot und sogar schwarz. Zwar wechselt sie sich mit der Erdbeere ab, aber die Überhand gewinnt die Kirsche. Vielleicht ist das der perfekte Ausgleich. Teile dieses Weines wachsen jenseits der Grenze in Frankreich, vielleicht zeigt man hier »best of both worlds«. Im Mund dann kein Zweifel mehr. Kirsche satt. Mit Druck und Tannin und Kalk. Hier zeigt der Boden, was er kann. Wir schmecken Kirschkern, aber auch Gesteinsmehl. Ganz feine Bitterstoffe kleiden den Mundraum aus. Die Säure hat eine innere Spannung, die immer alles zusammenhält und geradeausführt. Nicht so sehr verspielt. Sehr geradeaus und aber auch mit Muskelfleisch. Kein Kraftmeier, aber auch nicht nur die tänzelnde Ballerina. Eine kompakte Kirschfrucht schnellt mit Zug über die Zunge. Verlangt nach mehr. 92/100

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

18
/20

Gerstl zu 2020 über: Spätburgunder vom Kalk

-- Gerstl zu 2020: Eher zart und doch sehr ausdrucksvoll im Duft, schwarze und rote Kirschen, Kräuter und Gewürze, ein charmanter Strahlemann, viel Noblesse, reiche Duftvielfalt. Ein wunderschönes Fruchtbündel, genial süffig, herrlich tänzelnd, ganz feine Tannine, kühle Stilistik, verführerisch rassig, da ist auch viel raffiniert süsses Extrakt. Eine traumhafte Delikatesse, geniale Länge, auch jung schon herrlich zu geniessen. 18/20

Mein Winzer

Jülg

Das Weingut Jülg im südpfälzischen Schweigen-Rechtenbach ist schon längst kein Geheimtipp mehr. Winzer Johannes Jülg zählt mit seiner absolut eigenständigen und sehr burgundischen Stilistik bereits seit einigen Jahren zur qualitativen Spitze der Pfalz.

Spätburgunder vom Kalk 2021