Chateau Smith Haut Lafitte 2022

Chateau Smith Haut Lafitte 2022

BIO

Holzkiste

Zum Winzer

100
100
2
Cabernet Sauvignon 64%, Merlot 32%, Cabernet Franc 3%, Petit Verdot 1%
5
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2033–2072
Verpackt in: 6er OHK flach
9
voluminös & kräftig
tanninreich
3
Lobenberg: 100/100
Wine Cellar Insider: 98–100/100
VVWine: 98–100/100
Gerstl: 20/20
6
Frankreich, Bordeaux, Pessac Leognan
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chateau Smith Haut Lafitte 2022

100
/100

Lobenberg: Die Assemblage von Smith 2022: 64 Prozent Cabernet Sauvignon, 32 Prozent Merlot, drei Prozent Cabernet Franc und ein Prozent Petit Verdot. Der Alkoholgehalt liegt bei 14,5 Volumenprozent. 28 Hektoliter Ertrag pro Hektar. Es gab keinen Frost, keinen Hagel, aber eben diese extreme Trockenheit. Vergleichen mit 2019 wird es nur 60 Prozent der Menge geben. Die Nase ist hocharomatisch. Sehr viel Lakritze, sehr viel Holunder, Wacholder, Minze und After Eight. Holunder wird immer stärker in der Nase. Dazu dann diese von Veilchen unterlegte Schwarzkirsche. Sehr aromatisch, aber 2022 sehr anders in dieser Lakritze-Holunderausprägung. Es fehlt ein bisschen die sonst übliche Cassis und die rote Johannisbeere, weil alles so reif ist. Es gibt keine Ecken, keine Kanten, nichts Grünes. Einfach nur reif, schön und schwebend. Im Mund kommt dann der in der Nase vermisste Grip zurück mit viel Salz und ein bisschen Chilischärfe. Deutliche Tannine, hier auch mit einer leichten Schärfe spürbar. Geschmeidig und seidig, aber prägnant. Die Schärfe läuft die Zunge runter, Salz kommt hinterher. Feine blumige Aromatik, wieder Holunder, lang, tänzelnd und gut verwoben. In 2022 vielleicht nicht vor dem nicht ganz so seidigen direkten Konkurrenten Haut-Bailly, der dafür ein bisschen mehr Fleisch in der Mitte hat. 100/100 *** Die Besitzer dieses Weinguts sind Florence und Daniel Cathiard. Die Böden auf Smith Haut Lafitte bestehen aus Kies und Lehm, teilweise ist auch ein wenig Kalkstein dabei. Da die Reben hier in Dichtpflanzung stehen, liegt der Ertrag pro Rebstock bei unter einem halben Kilo. Nach der spontanen Fermentation in Holzfudern erfolgt die Malo und der Ausbau zu 60 Prozent in neuen Barriques, zu 40 Prozent in gebrauchten. Die Auswahl des Holzes hat sich im Laufe der Zeit in Richtung Burgund verschoben, zu Holz mit dichteren Poren und weniger Toasting. Smith Haut Lafitte ist in der Weinbergsarbeit seit Jahren komplett organisch zertifiziert. Der Wein selbst wird aber nicht zertifiziert, weil das Château sich eine bestimmte Behandlung als Prävention gegen Brettanomyces vorbehält. Nach der Fermentation werden die Weine chargenweise komplett auf Bakterien analysiert. Gefährdete Mengen durchlaufen – ähnlich wie bei Château de Beaucastel an der Rhône – eine ultrakurze Erhitzung und Abkühlung. Keine Zugabe sonstiger Stoffe, ausschließlich natürliche Hitze und Kälte, weil das die Brettanomyces-Bakterien unverzüglich abtötet. Dadurch ist Smith immer frei von Brett, genau wie Beaucastel. Dies wird allerdings von Demeter und anderen Verbänden nicht erlaubt. Smith verzichtet also auf die letzte Zertifizierung des fertigen Weins und ist nur in den Weinbergen biologisch-organisch zertifiziert.

Jahrgangsbericht

2022 hatte den trockensten Sommer in Frankreich seit Beginn der Aufzeichnungen und war insgesamt das heißeste Jahr seit 1947. Nicht so extrem und plötzlich heiß wie 2003, eher harmoniefördernd gleichmäßig warm und eben sehr trocken. Nachdem im November und Dezember 2021 satt Regen fiel, blieb es in den Folgemonaten trocken und warm. Die Reben konnten sich also bei gleichmäßiger Blüte langsam an die Trockenheit gewöhnen. Die Terroirs mit den besten Wasserspeicher-Eigenschaften und den sehr tief wurzelnden alten Reben konnten das Wasser-Reservoir des Winters und Frühjahrs nach früher und sonniger Blüte relativ problemlos durch den trockenen Sommer nutzen. Regen gab es erst wieder im Juni und dann in der zweiten Augusthälfte mit 30 bis 50mm. Danach blieb es sonnig und trocken mit einem langen »Indian Summer« bis weit in den Oktober und sogar November. Jeder konnte auf den perfekten Erntezeitpunkt warten, zumal es dank sommerlicher Stillstände keinen Zucker-Alkoholdruck gab. Wer mit alten Reben und perfekten Terroirs dann noch verschont wurde vom jährlich zunehmendem April-Frost und vom allzu häufigen Hagel des Frühsommers, konnte sich gerade als biologisch arbeitender Winzer über das, ob des Klimas, vollständige Ausbleiben von Fäulnis und Pilzkrankheiten freuen. Niemand musste auch nur irgendwas spritzen. Für Bio-Winzer mit alten Reben und superbem Terroir war 2022 ein so noch nie erlebtes, perfektes Jahr, zumal man sich über die vergangenen 10 extremen Jahre an die besser angepasste Laub- und Bodenarbeit gewöhnt hatte. Saint Emilions und Castillons Kalksteinfelsen, Pomerols und Fronsacs Lehmböden und die dicken Kieslinsen des Medocs hatten bei sehr altem Rebbestand bis auf den Malus kleinerer Erträge kaum Sorgen. Weniger, aber ein überragend intensiver Saft aus kleinen, dickschaligen, kerngesunden Beeren. Aromatisch frischer Most, tiefes und zugleich delikates Tannin, dazu eine überragende Balance. Junge Reben und sandige Böden litten allerdings extrem, da gab es hier und da schon desaströse Ergebnisse. Besonders profitiert haben, neben den o.g. perfekten Böden dazu am linken Ufer, die in sehr nassen Jahren benachteiligten Fluss- und Ufernahen Terroirs des Medocs, des nördlichen Haut Medocs und Saint Estèphes. Die meisten Winzer vergleichen 2022 mit 2018, allerdings war 2022 überwiegend noch deutlich konzentrierter und reicher in der Frucht, vibrierender, cremiger und trotz der extremen Reichhaltigkeit erstaunlich frisch, seidig und harmonisch, das erinnert auch an das Traumjahr 2016. 2022 ist nicht so extrem pikant wie das Hammerjahr 2019 und nicht ganz so tänzelnd finessenreich wie der 2020er. Winzer mit langer Erfahrung sprechen eher von einer deutlich perfekteren Reinkarnation der Jahrgänge 1982, 1961 und 1949. Jean-Philippe Janoueix, eine Instanz am rechten Ufer und Besitzer vieler Châteaux in Pomerol, Saint Emilion und Castillon sagt: »2022 is the more concentrated version of 2018. With deep acidity and rich, soft masses of tannin, 2022 is the much better and long-lived resurrection of the great 1982 and 1961.« Und das mit größerem Know-how, optimaleren Weinstöcken, niedrigeren Erträgen je Stock, besserer biologischer Weinbergsarbeit, dramatisch präziserer Selektion vor der Kelter (Laser und Wasserbad) und einer kenntnisreicheren Kellertechnik als vor vierzig Jahren. Ohne Zweifel ist 2022 also ein historischer Jahrgang. Fakt ist, dass trotz der wohl berechtigten Jubelschreie der allerbesten Winzer das Jahr 2022 auf Kante genäht ist. Junge Reben und nur mittelgute und schwächere Terroirs, und das ist nun mal mit Abstand der Großteil des Bordelais, haben in nassen und noch mehr in solch trocken-heißen Jahren ganz schlechte Karten und üble Zukunftsaussichten. Und leider werden die Jahre trotz einiger, klassischer Ausnahmen wie das Bordelaiser »Normaljahr« 2021 im Schnitt immer extremer. Die wenigen, strahlenden Topwinzer der Appellationen glänzen ob der extraterrestrischen Qualitäten mehr denn je, die große Masse bleibt auf der Strecke. Die Spitze der Pyramide wird noch schmaler und zugleich noch höher. 2022 ist für die Superstars jeder Appellation ein so noch nie dagewesener Qualitätstraum, aber wo soll das für die breite Basis enden? Spanien findet den Ausweg aus den immer extremeren klimatischen Wetterkonditionen in 800 bis 1200 kühlen Höhenmetern, aber wie sieht – neben den weiter vorwärts stürmenden Superstars – die Zukunft des Bordelaiser »Normalwinzers« auf NN aus?

98–100
/100

Wine Cellar Insider über: Chateau Smith Haut Lafitte

-- Wine Cellar Insider: Inky dark in color, the wine requests a bit of effort before jumping into its nose of spice, cigar wrapper, blackberries, black currants, flowers, wet earth, and smoke. On your palate, the purity in the fruit, elegance, and lift is there. But what stands out is the width in your mouth as the wine caresses every part of your palate with its silky textures, and richness. The finish seals the deal as the wine has real staying power, staying with you for over 50 seconds! Harvesting took place from September 5 - September 30. Yields were low at 28 hectoliters per hectare. The wine is a blend of 64% Cabernet Sauvignon, 32% Merlot, 3% Cabernet Franc and 1% Petit Verdot, and is aging in 60% New, French oak barrels for 18 months. 14.5% ABV. pH 3.55. Is this the best vintage of Smith Haut Lafitte ever produced? Maybe. Let's revisit when the wine is in the bottle. Drink from 2027-2055.98-100/100

98–100
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VVWine über: Chateau Smith Haut Lafitte

-- VVWine: Ausdruckstark und fast schon toskanisch anmutend, mit viel reifer Frucht, Gewürzen, floralen Noten, dunkler Frucht, eine Nasendroge sondergleichen. Im Gaumen kräftig, das ist pure Konzentration, der Wein baut aus, wird immer mächtiger, bleibt fokussiert, massive, hochwertige Tannine verleihen Nachdruck, der Wein zeigt Rasse, Länge und endet auf eine herbe Note, die viel Frische verleiht. Ein SHL Monument, das vielleicht etwas toskanischer daherkommt, als in anderen Jahren, qualitativ jedoch über alle Zweifel erhaben. Braucht in meinen Augen einiges an Reife, bis er in 15 Jahren sein optimales Trinkfenster erreichen wird. 2035 bis 2060+ 98-100/100

20
/20

Gerstl über: Chateau Smith Haut Lafitte

-- Gerstl: Die Ernte auf Smith Haut Lafitte war sehr klein, es wurden nur 29 hl/ha eingebracht. Was für eine himmlische Aromatik! Die Hitze hat dem Château viel Mühe bereitet, im Juli 2022 hat es an keinem Tag geregnet. Die Reben waren aber alle gesund, jedoch war die Beerengrösse bei der Ernte sehr klein, was letztlich zu diesem tiefen Ertrag geführt hat. Die Konzentration ist dadurch natürlich gewaltig und die Intensität bereits im Bouquet sehr gut erkennbar.Das ist eine die Sinne berauschende Duftschönheit, es ist ein himmlisches Vergnügen, sich die Nase von diesem Duft verwöhnen zu lassen. 1000 Feinheiten strahlen aus dem Glas, perfekte Reife, alles ist aber wunderbar auf der kühlen Seite. Eine himmlische Erfrischung am Gaumen, man kann nur staunen über die Feinheit der Tannine, die in Massen vorhanden sind. Die Konzentration ist tatsächlich enorm, der Wein schwebt davon, die Zeit bleibt stehen und die Schwerkraft scheint nicht mehr zu existieren. 20/20

Suckling über: Chateau Smith Haut Lafitte

-- Suckling: The polish, texture, complexity and patina are very impressive and fascinating. So spicy and interesting with so much going on. Medium body with wonderfully integrated tannins that are cut and nicely chiselled already. Lemon and violet. 64% cabernet sauvignon, 32% merlot, 3% cabernet franc and 1% petit verdot. 97-98/100

Mein Winzer

Smith Haut Lafitte

Heute ist Château Smith Haut Lafitte als Cru Classé eines der glänzendsten Erfolgsbeispiele der jüngeren Bordeaux-Geschichte. Florence und Daniel Cathiard (eine zu viel Reichtum gekommene Pariser Familie) kauften 1991 das etwas heruntergekommene Château Smith Haut Lafitte von der alteingesessenen...

Chateau Smith Haut Lafitte 2022