Vietti: Barolo Lazzarito 2022

Vietti: Barolo Lazzarito 2022

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2040
voluminös & kräftig
tanninreich
frische Säure
Lobenberg: 96/100
Galloni: 94+/100
Decanter: 94/100
Jeb Dunnuck: 94/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Lazzarito 2022

96
/100

Lazzarito – ist eine absolute Traumlage direkt am Ortsausgang von Serralunga. Serralunga hat sich zum absoluten Hotspot in Barolo entwickelt. Von hier kommen nicht nur Piras Weine, sondern auch der Barolo Sperss von Gaja – aus der Nachbarlage des Lazzarito – oder Giacomo Conternos Francia und Monfortino. Die Böden sind hier klassisch von weißem Lehm durchzogen. Die Trauben werden vollständig entrappt, dann folgen circa 48 Stunden Kaltmazeration. Zu Beginn der Gärung wird der Saft täglich übergepumpt und dann 3-4 Wochen mit dem traditionell untergetauchten Trester weiter ausgebaut. Es folgt eine Zeit im gebrauchten Barrique bis nach der Malo im Februar. Dann zieht der Wein für 2,5 Jahre in große Holz-Botti um. 2022 wurde bei Vietti eine extreme, ja sogar verrückte Selektion betrieben. So wurden die Cru-Lagen Brunate und Cerequio gar nicht gemacht und lediglich das beste Herzstück der drei Hektar großen Parzelle des Lazzarito von den tonhaltigeren Böden im unteren Teil der Lage unter dem Namen Lazzarito separat abgefüllt. Alle anderen Trauben gingen in den Barolo Classico! Eine Entscheidung, die das krasse Qualitätsstreben bei Vietti wieder einmal bezeugt! Leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Die schöne, schwebende Nase ist aromatisch wunderbar zugänglich duftend mit reifer roter und schwarzer Kirschfrucht, roten Pflaumen und auch etwas Blaubeere. Zarte ätherische Kräuternoten wie Minze, Salbei, schwebender Anis, Lakritz, Orange und vielschichtig, warme braune Gewürze. Etwas Muskatnuss, Vanille und Zimt mit einem Hauch Teer. Aromatisch ist das hier »Barolo at its best!« Im Mund verbleiben die eckig definierten Serralunga-Tannine in kalkiger Textur auf der Zungenmitte. Lineare Aromen roter Johannisbeeren und Hagebutten kommen mit weißem Pfeffer und diesem monumental intensiven Kalkstein-Note hinterher. Imposante Tannine treffen auf eine durchaus ebenbürtige, saftig schiebende, präzise Frucht – dieser Jahrgang ist perfekt für Liebhaber der klassischen Nebbiolo-Struktur. Dieser Lazzarito ist nach Rocche und neben Monvigliero der beste Wein des Jahrgangs bei Vietti.

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

94+
/100

Galloni über: Barolo Lazzarito

The 2022 Barolo Lazzarito is another stellar wine from Vietti. All the virile intensity of Serralunga comes through loud and clear. Black cherry, graphite, lavender, licorice, chocolate and melted road tar fill out the layers. This dark, potent Serralunga Barolo hits all the right notes. The 2022 is impressive and has room to grow.

94
/100

Decanter über: Barolo Lazzarito

Vietti’s 2022 releases are simply excellent. This is a testament to winemaker Eugenio Palumbo and his team, who have carried on the legacy of Luca Currado and Elena Penna with confidence. The Lazzarito has all the signatures of Serralunga. It starts with a slightly macerated nose of dark cherry, then sage blossom and orange zest lift the fragrances. There is remarkable buoyancy to the ripe, dark, intense fruit, and the boundaries are clearly drawn by chalky, powdered, self-assured tannins. This reaches thrilling earthy depths of creosote and iron. Very focused.

94
/100

Jeb Dunnuck über: Barolo Lazzarito

The 2022 Barolo Lazzarito pours a transparent ruby hue and offers expressive aromatics with bright fruit and subtle spice. Medium-bodied, the palate shows excellent energy, with well-defined, chiseled tannins and a balanced sense of restraint. The three-hectare vineyard was harvested in two passes and vinified separately before blending. 8,600 bottles were produced. Drink 2027-2042.

Suckling über: Barolo Lazzarito

Intense, fruity and ripe, showing slightly candied black cherries and blood oranges with meaty depth. Medium- to full-bodied with supple fruit, firm structure, dusty tannins and juicy acidity. Well-balanced, with a slightly sticky finish. Try from 2029.

Mein Winzer

Vietti

Die Familie Vietti erzeugt Wein seit vier Generationen in Castglione Falletto im Herzen des Anbaugebiets Barolo. Seit 1957 war der 2012 verstorbene Alfredo Currado für den Ausbau der Weine verantwortlich, schon 1961 begann er die großen Lagen separat zu vinifizieren. Vietti war es vorbehalten, den...

Barolo Lazzarito 2022