Die Trauben für den La Claudina wachsen in einer winzigen Einzellage von 0,3 Hektar. Die Reben sind Mitte der 90er Jahre gepflanzt, reinsortig Godello. Im Eichenholzfass vergoren und für 14 bis 16 Monate darin belassen. Das Fass wird nicht ganz aufgefüllt und eine leichte Florhefeschicht wächst darüber, wie beim Sherry oder im Jura üblich, das ist hier aber genial eingebunden und dominiert überhaupt nicht. Der Wein wird unfiltriert abgefüllt. Knalltrocken. Wunderbar feine, gut eingebundene, elegante Holzunterlegung in der Nase. Dazu ein bisschen gebuttertes Popcorn, Toastbrot, salzige Meeresbrise, getrocknete Kamille, feiner Rauch, Kreide, ein bisschen grüne Aprikose. Auch Curry, Nüsse, eher etwas oxidativ im Charakter, ein bisschen Tondonia-Blanco-Reminiszenz. Ganz weit von einer fruchtigen Nase entfernt, eher mineralisch-würzig in der Anmutung. Am Gaumen eine Salzexplosion, intensiv, pikant, rassig, Grapefruit, Orangenschale, Aprikose, gelbe Blüten, etwas Butter und ganz zarte Nuancen von Blütenhonig im Abgang. Famose Länge, das Salz an den Zungenrändern geht gar nicht mehr weg. La Claudina ist feiner, ruhiger und ausgeglichener als der mega-pikante La del Vivo. Claudina ist auch pikant und ohne Ende salzig, das ist klar. Aber insgesamt wirkt er etwas milder, die Säure etwas feiner, der Körper etwas schmelziger und samtiger über den Gaumen gleitend. Sonnenblumen, Limettensaft, Nuss, gebackener grüner Apfel und dazu diese brillante, messerscharfe Säurespur und die Salzladungen. Das ist schon einmalig, irre Präsenz und ewig langer, kreidiger Nachhall. Ein Traum zu Langusten oder Hummerzange mit dieser feinen Buttrigkeit und der energetischen Säure. Grandios charakterstarker Weißwein aus Nordspanien mit einem kleinen Hauch Andalusien. Ein Crossover der Extraklasse.
2023 war sehr warm, aber er ist deutlich kühler und balancierter als der noch heißere und trockenere 2022. Nicht so aufregend und extrem wie 2021, eher eine reife und harmonische Version von 2020. Und so ist 2023 durchaus eine Fortsetzung der so großen Jahrgänge seit 2019. Luis Gutierez, Parkers Mann für Spanien, fasst den Jahrgang 2023 anhand von Alvaro Palacios Weingütern ganz im Westen und ganz im Osten, somit Landesübergreifend so zusammen: 2023 was an even more generous crop than 2022 … the wines have better balance, and it doesn't feel like a warm year at all. In fact, the wines feel more like they come from a cool year. It's a vintage that has a tendency toward reduction, not as much as 2020, but still reductive. But it's an elegant, stony reduction...The quality of the 2023s is stunning. There is a level of precision, cleanliness, symmetry and elegance that, if the end of the élevage and the bottling goes as expected, I must conclude that 2023 might be the finest vintage ... There might be other individual wines that reach higher peaks, but as an overall portfolio, the vintage 2023 represents the strongest collection ever produced.