Das Jahr 2025 war geprägt von einem außergewöhnlich frühen Vegetationszyklus. Ein zeitiger Austrieb im April und ein warmer, trockener Sommer führten zu einer der frühesten Ernten in der Geschichte des Chablis – in vielen Lagen begann die Lese bereits Ende August. Für Patrick Piuze, ein Verfechter früher Lese, war es ein Jahr der Präzision zwischen reifer Exotik und klassischer Mineralität. Es ist ein Brücken-Jahrgang mit der Großzügigkeit warmer Jahre und dem festen, steinigen Fundament des Kimmeridge-Kalks. Der Wein wächst in besagter Gemeinde Fleys, die auf der rechten Seite der Sereine liegt. Sehr nah am 1er Cru Mont de Millieu, absolutes Topterroir. Normalerweise baut Piuze die Villageweine in seinen kleinen Edelstahltanks aus, aber Fleys ist so ein großes Terroir und bringt diesen Punch mit, dass er ihn behandelt wie seine Crus und vollständig in gebrauchten Fässern vergärt und ausbaut. Dichte Nase mit feiner gelber und weißer Frucht, Zitronen- und Orangenabrieb, Grapefruit, weißer Tee, weiße Blüten, etwas Vanille und sehr deutliche Noten von Jod und Muschelschalen. Eine zarte mineralische Reduktion durchzieht den Wein, man spürt die kargen Böden förmlich. Wow, was für ein Geschoss für einen Village, der gefällt mir sogar noch besser als mein üblicher Favorit Fyé. Fein, geschliffen und druckvoll im Mund, mit der energetischen Piuze-Art, aber dann schiebt auch immer mehr dieser Druck aus dem Steinobst und der zartbitteren Grapefruit nach, auch weiße Johannisbeere, Tonic und Anis. Schöner Salzbiss im Nachhall, der die Zunge in Beschlag nimmt. Stein, Salz, Frucht, Spannung, Energie. Das ist Chablis wie es leibt und lebt. Ein famoser Ortswein und riesiger Trinkspaß auch schon in seiner jugendlichen Frische, weil 2022 so ein köstlich zugängliches Jahr ist! 93-94/100