Odinstal: Riesling Basalt 2023

Odinstal: Riesling Basalt 2023

BIO

VDP

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2049
voll & rund
mineralisch
naturbelassen
Lobenberg: 96/100
Falstaff: 94/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Basalt 2023

96
/100

Über den Dächern von Wachenheim, auf einer über 300 Meter hochgelegenen Waldlichtung, liegt das einzigartige Terroir von Odinstal. Biodynamisch bewirtschaftet, Demeter-zertifiziert, mit akribischer Handarbeit im Weinberg. Der Basalt ist der einzige Wein hier oben, der auf diesen tiefschwarzen vulkanischen Böden wächst, keine zehn Meter vom alten Basaltsteinbruch entfernt. Ein Weinberg von uralten Reben, ein Bodenprofil wie man es sonst nur aus dem Forster Pechstein kennt – dunkel, rauchig, würzig, einzigartig. Andreas Schumann gibt immer ein paar ganze Trauben mit in die Gärung, der Ausbau erfolgt komplett im Edelstahl. Und so zeigt sich der Basalt 2023 von Beginn an deutlich rauchiger als alle anderen Terroirweine aus dem Odinstal. In der Nase Feuerstein und Graphit, kühle Rauchigkeit, dazu frische Wiesenkräuter, gelber Apfel, Quitte, ein Hauch Mango in der Tiefe. Alles wirkt ein wenig dunkler, würziger, dichter als beim Kalkstein – die Phenolik spielt hier deutlich mit, gibt Spannung und Charakter. Am Gaumen dann dieser straff zupackende Grip: die Pfälzer Rieslingfrucht fließt direkt über glühenden Feuerstein, salzig, vibrierend, mit faszinierender Länge. Quitte, Zitrus, Apfelschale, dazu eine leicht herbe, steinige Textur, die den Wein enorm schlank und präzise wirken lässt. Die Vibration aus der Salzigkeit gibt dem Gaumen einen elektrischen Kick, das Ganze bleibt kristallklar und enorm trinkanimierend. Der Basalt 2023 ist das dunkle Kraftzentrum im Odinstal-Portfolio, ein Riesling von rauchiger Tiefe und mineralischer Dramatik. Forster Pechstein in der Seele, aber doch ganz eigen, ganz hoch oben über Wachenheim. Ein Ereignis, ein vibrierender Ausdruck von schwarzem Vulkangestein – so unique!

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

94
/100

Falstaff über: Riesling Basalt

Gerne karaffieren! Ätherik, Kräuterwürze und Frucht treffen in der Nase aufeinander. Spearmint, Dill, süße Grapefruit, unreife Orange, kühler Rauch, Austernsauce. Tiefgründig geschichtet am Gaumen, cremige Säure, ein präsentes Phenol gibt einen strukturellen Rahmen, sehr gut integrierte Süße, tonangebende Mineralik, die lange hallt, toller Speisebegleiter.,,

Mein Winzer

Odinstal

Das Weingut Odinstal ist in jeder Hinsicht sehr besonders. Altehrwürdig thront das Gutshaus auf 350 Metern über Meeresspiegel oberhalb der Stadt Wachenheim und ist damit das höchstgelegene Weingut der Mittelhaardt. Inhaber Thomas Hensel hat es Ende der 90er Jahre erwerben können und seitdem...

Riesling Basalt 2023