Das ist die rare Top-Cuvée des Hauses, Peroline, die zu 100 Prozent aus der Einzellage Chavaroche kommt. Es gibt nur wenige tausend Flaschen. Immer ein Vin-de-Garde. Die Lage ist sehr steil, sehr steinig, extrem karg, sehr mittig in der Appellation Côte-Rôtie, aber wild und waldig. Reichhaltig im Tannin, tief konzentriert. Peroline ist immer und in jedem Jahrgang 100 Prozent als Ganztraube vergoren, Jamet lässt grüßen. Seit 2018 in Edelstahl fermentiert, dort kann etwas runtergekühlt werden, das hilft der Präzision. Also doch ein kleines Zugeständnis an die Moderne bei Levet. Dennoch bleibt das mehr als Oldschool, was hier abgefüllt wird. Ausbau für etwas mehr als 2 Jahre in Demi-muids, wenig Neuholz von 20 bis 30 Prozent. Der Holzeinfluss soll gering bleiben, es geht nur um die Sauerstoffeinfluss im Zusammenspiel mit den Rappen. Nun war 2022 zudem ein sehr heißes Blockbuster-Jahr, entsprechend sind wir eher bei überschwänglichem Charme und wollüstig opulenter Frucht. Wer die Côte-Rôtie liebt, muss 2022 unbedingt zuschlagen. Denn das werden ganz große Weine für die Zukunft sein – und sie schmecken auch schon direkt nach der Abfüllung mehr als köstlich. Die Balance ist grandios, natürlich auf der reichen Seite, sehr dicht, brutal intensiv, hocharomatisch. Agnes Levet vergleich 2022 am ehesten mit 2009. La Peroline ist unter den drei Côte-Rôtie von Levet auch im expressiven Jahr 2022 der verschlossenste Wein. Die dunkelwürzige Frucht brodelt noch engmaschig und straff vor sich hin, etwas in sich gekehrt, hat fast einen vulkanischen Touch. Mit etwas Luft kommt die delikate Exotik durch, von Weinbergspfirsich über Schlehe bis Mango ist alles dabei. Süße, reiche, schwarze Frucht mit warmem Stein und Lakritze. Brutal konzentriert. Wenn man den Weinberg kennt, diese winzigen Terrassen in Südwest-Exposition, kaum Erdauflage und stark exponiert, dann weiß man schon direkt wie dieser Wein schmeckt: wie weingewordener Felsen. Hochkonzentiertes Mineral im Mund, das sich langsam in Salzigkeit auflöst, mit Graphit und Holzkohle, Unterholz und Unmengen an Tanninen, die für über eine Minute stehen bleiben. Ein Monster von einer Serine. Durch diese hohe mineralische Strahlkraft hat er in all seiner Wärme auch etwas erfrischendes, saftig-minziges an sich, das der Maestria nicht hat. Der schiebt einfach voll durch. Hier ist es hintersinniger und wird fast feingliedrig hintenraus, läuft immer enger zusammen. Das ist schon ein ziemlich faszinierender Wein dieser 2022er. Würze und Struktur schreien nach Geduld. Ziemlich einzigartig und trotz seiner gewollt spröden Art einer der besten Côte Rôties....aber niemals für Einsteiger!
Der Jahrgang 2022 ist ein multikomplexer, kontrastreicher, heterogener und ganz und gar ungewöhnlicher Jahrgang - offensichtliche Folgen des Klimawandels? Die Rhone hat in den letzten zwei Jahren somit zwei extreme, paradoxe und diametral entgegengesetzte Jahrgänge erlebt. 2021 war frostig, kühl und regenreich, klassisch aufregendes cool-climate. 2022 war dagegen viel zu trocken und extrem sonnig. Dieser schnelle Wechsel macht etwas ratlos und 2022 stellt sogar die Zukunft mancher Weinberge dauerhaft in Frage. Der schon jetzt zu einem der besten Jahrgänge des letzten Jahrzehnts erklärte Jahrgang 2022, den manche gar mit 1978 vergleichen, hält zwar im Norden wunderbare, ja grandiose Überraschungen bereit, aber im Süden durchaus auch einige herbe Enttäuschungen. Die Widerstandsfähigkeit der Reben angesichts der klimatischen Extremsituationen erstaunt dennoch! Die mehr oder weniger intensiven Regenfälle Mitte August und September retteten dann die Weinberge und Regionen, in denen der Punkt ohne Wiederkehr durch Wasserstress noch nicht erreicht war, manchmal aber war es zu spät. 2022 ist somit durch sehr starke Heterogenität zwischen und auch innerhalb der Appellationen gekennzeichnet, grandiose Schönheiten und vertrocknetes, unreifes Elend liegen oft nah beieinander, alles hing am seidenen Faden. Unsere Verkostungen bei den Erzeugern und unsere akribische Auswahl hat in diesem Jahrgang 2022 noch mehr Bedeutung als je zuvor.Südliche Rhone:Wider Erwarten sind die Weißen harmonisch, aromatisch und nicht fett und alkoholisch, es gibt viele großartige Erfolge. Erstaunlich und superb! Die Qualität der Roten ist deutlich heterogener. Unbalanciertheit, Disharmonie, spröde und harte Tannine und mangelnde phenolische Reife findet man in vielen jungen Reben. Nur sehr alte Reben mit minimalen Erträgen und tiefem Wurzelwerk bieten komplexe und anmutige, ja sogar ganz große Weine der historischen Extraklasse.Nördliche Rhone:Der kühlere Norden blieb von den meisten Leiden des Jahrgangs verschont. Die vollständige Reife wurde fast immer erreicht und die Alkoholgrade blieben moderat. Die Gaumen der gleichermaßen großartigen Weißen und Roten sind üppig, prall und dennoch straff. Weine mit Typizität und Stil, die Sommeliers und Restaurants gleichermaßen glücklich machen werden. Ein historisch großer Jahrgang!