Karthäuserhof: Riesling Eitelsbacher Alte Reben Ortswein 2023
- Riesling 100%
- weiß, trocken
- 12,0% Vol.
- Trinkreife: 2026–2038
- leicht & frisch
- frische Säure
- Lobenberg: 94–95/100
- Parker: 93/100
- Falstaff: 94/100
- Vinum: 92/100
- Jancis Robinson: 17/20
- Deutschland, Mosel Saar Ruwer
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Karthäuserhof, Karthäuser Hof 1, 54292 Trier-Eitelsbach, DEUTSCHLAND
Heiner Lobenberg über:
Riesling Eitelsbacher Alte Reben Ortswein 2023
/100
Dieser Wein firmiert als Ortswein, ist aber genau wie der Schieferkristall eigentlich komplett aus der Großen Lage Karthäuserhofberg geerntet. Eigentlich ist der Ortswein aus den Alten Reben der klassische Zweitwein des Karthäuserhof GG, nur Top-Material, biologische Bewirtschaftung. Der Wein ist überwiegend im Holz ausgebaut, was natürlich Mathieu Kauffmanns Handschrift ist. Keinerlei Schönung. Wunderbar reife, gelbe Frucht, für das kühle Eitelsbacher Tal und den schlankeren Jahrgang schon ordentlich Druck zeigend. Hohe Spannung in der Nase, zeigt etwas Agrumen, Zitronenschale, weiße Blüten. Ungeahnt rassig und geschliffen, sehr kühl, keine Spur von der Hitze des Jahres. Natürlich hat der Wein auch diese mineralische Kühle aus dem Terroir, aber eben auch Schmelz. Der Mund ist cremig und fein, die Säure ist gebändigt und nicht einschneidend, auch hier zeigt sich die frankophile Handschrift von Mathieu. Kristallin und geradeaus, aber für dieses kühle Seitental, das eigentlich kräuterig-steinige Weine hervorbringt, ist das schon eine famose Fruchtintensität. Ein ganz klassischer Ruwer-Riesling in dieser feinnervigen, schlanken Art. Aber nicht brachial wie beim Hofgut Falkenstein, sondern fein und schmelzend. Sehr schick! 94-95/100
Jahrgangsbericht
Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!
/100
Parker über: Riesling Eitelsbacher Alte Reben Ortswein
Aged in large oak for nine months, the 2023 Eitelsbacher Riesling trocken Alte Reben is deep, pure, fresh and slate-like on the intense, savory, saline and herbal-laced nose. Entirely sourced from the Karthäuserhofberg and a result of severe selections, this is an intense concentrated and seriously structured Riesling with grip, expression and stimulating salinity. 12% stated alcohol. Natural cork. Tasted in January 2026.
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Falstaff über: Riesling Eitelsbacher Alte Reben Ortswein
Tag 1: Gold Gelb im Glas. Im Duft reife Mirabellen und Weinbergpfirsich. Floral, an Orangenblüten erinnernd. Leicht nussig, zart rauchig. Im Mund, warm und vollmundig mit vibrierender Säurestruktur. Großspurig mineralisch am Gaumen, verläuft er sich in einen auskleidend kernfruchtige Eindruck im Rückgeruch. Lang, animierend und frisch. Tag 2: Veränderung in der Nase marginal. Rauchig, flintsteiniger. Gelbe Frucht wirkt etwas reifer. Es kommt eine ätherische Salbeinote hinzu. Im Mund sehr ähnlich der Nase. Etwas reifere Frucht, dadurch wirkt er voller, runder und zugänglicher. Mineralische Spannung baut etwas ab. Tag 3: Nase wirkt noch integrierter, stimmiger. Gelbe reife Mirabellen im Zusammenspiel mit zarter rauchiger Komponente. Pfirsich und Salzzitrone. Wirkt offener. Im Mund noch zugänglicher als gestern. Spannung und Druck verliert sich nicht. Wirkt substanzreicher. Phenolik straffer im Rückhall.
/100
Vinum über: Riesling Eitelsbacher Alte Reben Ortswein
Mittleres Zitronengelb. feine Nase mit Kräutern, Limette, rauchige Anklänge, dazu Mirabelle und helle Pflaume, ätherische Noten, leicht harzig. Am Gaumen mit schöner Frische, feine, präsente und eingebundene Säure, zitrisch, Melisse, Zintronengras, sehr ansprechende Länge.
/20
Jancis Robinson über: Riesling Eitelsbacher Alte Reben Ortswein
Fragrant citrus leaps from the glass – orange, kumquat, the nuance of yuzu. Creamy, youthful 'baby fat' overlays a firm structure of tremendous power and concentration, with deep grapefruit spice. Beautiful tension.
Karthäuserhof
Der Eitelsbacher Karthäuserhofberg umfasst knapp 19 Hektar an der Ruwer, die zu über 90 % mit Rieslingreben bepflanzt sind. Der Weinort Eitelsbach wurde im Jahre 1223 erstmalig urkundlich erwähnt.