HM Lang: Riesling Hartstein 2022

HM Lang: Riesling Hartstein 2022

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
10,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2041
frische Säure
mineralisch
unkonventionell
Lobenberg: 93–94+/100
Österreich, Kremstal
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Hartstein 2022

93–94+
/100

Der neue »Einstieg« von Markus Lang – wenn man ihn überhaupt so nennen will. Denn faktisch gibt es hier keinerlei Abstriche: gleicher langer Weg im Weingarten, gleiche Geduld im Keller, gleiche kompromisslose Haltung wie bei allen anderen Weinen. Der Riesling Hartstein stammt aus der hochgelegenen, kargen Riede Lemberg im Kremstal, einer absoluten Einzellage, umgeben von Wald, kühl, windoffen, fast wie ein eigenes kleines Biotop. Granit pur, sandige Verwitterung, kaum mehr als 30–40 cm Bodenauflage über dem Fels – keine Bewässerung, hohe Laubwände, Ost-West-Ausrichtung, viel natürlich wachsende Scharfgarbe. Nomansland im besten Sinne. 2022 ist zugleich das erste Jahr der Umstellung auf Demeter mit enormem Arbeitsaufwand: neues Spalier, neuer Anschnitt, Verjüngung, niedrigere Drähte. Die Trauben stammen von rund 30 Jahre alten Reben. Verarbeitung wie immer bei Lang: schonend über zwei Tage mit der selbst konstruierten Baumpresse gepresst, ausschließlich per Schwerkraft in den Keller, unfiltriert, Ausbau in älteren Stockinger-Fässern, fast drei Jahre auf der Feinhefe. Kein Unterschied im Prozess, keine Hierarchie nach unten. Im Glas zeigt sich der Wein kristallklar und kühl. Die Nase ist steinig, puristisch, fast asketisch: nasser Granit, Feuerstein, etwas Zitronenzeste, grüne Apfelschale, dazu eine kräutrige, fast alpine Frische. Keine laute Frucht, sondern Präzision und Herkunft. Am Gaumen dann der eigentliche Wow-Moment: nur 10 % Alkohol, aber unglaublicher Druck. Straff, vibrierend, hochenergetisch. Das fühlt sich fast an wie Steine lutschen – salzig, kühl, mineralisch. Die Säure ist messerscharf, aber perfekt eingebunden, zieht den Wein in die Länge, gibt ihm Spannung und unglaubliche Präsenz. Grüner Apfel, Limette, etwas Grapefruitschale, dazu diese granitische Tiefe, die alles zusammenhält. Der Nachhall ist lang, klar und fordernd, nichts Gefälliges, aber enorm faszinierend. Ein Riesling der über Spannung, Struktur und Herkunft kommt. Extrem beeindruckend, kompromisslos und eigenständig. Wenn das der »Einstieg« ist, dann zeigt er ziemlich deutlich, auf welchem Niveau bei Markus Lang gearbeitet wird. Ein Wein mit Tiefgang, Charakter und echtem Langzeitpotenzial – und einer der verblüffendsten Low-Alc-Weine, die man trinken kann.

Mein Winzer

HM Lang

Markus Lang ist derzeit wohl der spannendste Produzent im Donau-Tal. Der in Wien arbeitende Ingenieur hat erst vor einigen Jahren angefangen seinen eigenen Wein zu bereiten und dennoch zählen die Veltliner und Rieslinge des Autodidakten bereits zu den spektakulärsten und interessantesten Weißweinen...

Riesling Hartstein 2022