Der Blend aus 89 Prozent Cabernet Sauvignon, 7 Prozent Petit Verdot und 4 Prozent Cabernet Franc stammt hauptsächlich aus Hanglagen mit vulkanischen Böden. Bei der Ernte wird jede Traube penibel sortiert. Dafür nutzt man bei Eisele ein hochmodernes, optisches Sortiergerät, das sicherstellt, dass nur allerbestes, perfektes Lesegut in die Gärtanks gelangt. Der 20-monatige Ausbau erfolgte zu 19 Prozent in französischen Fudern und zu 81 Prozent in französischen Barriques. Tiefes, beinahe undurchsichtiges Rubinrot mit dunkel eingefärbten Tränen am Glasrand. Was für eine ultra-charmante, unheimlich attraktive Nase! Reife, süße Himbeere, Blaubeere, Brombeere und Kirsche treffen auf einen schwebend zarten Hauch Vanille, etwas süß-würzigem Ceylon-Zimt, Sichuan Pfeffer sowie tiefgründige Aromen blauer und roter Blüten und getrocknete Cranberrys. Schon beim ersten Reinriechen bin ich verzaubert und kann es kaum erwarten, diesen Wein weiter zu ergründen. Denn auch wenn er charmant und tänzelnd daherkommt, ist er alles andere als eine oberflächliche Schönheit – es ist ein Stoff mit enormem Tiefgang und Dimension. In Öl eingelegte grüne und schwarze Oliven hinterlassen einen mediterranen Fingerabdruck. Dazu gesellen sich Crème de Cassis und ein verführerischer Puder aus einer braunen Gewürzmischung: Muskatnuss, Piment und Zedernholz. Ein ganz zarter Hauch von Zitronenmelisse und süßer marokkanischer Minze weckt mich aus meinen Träumen. Das ist ein Wein, der in seiner Jugend vor Sex-Appeal nur so strotzt – ich probiere ihn im zarten Alter von dreieinhalb Jahren – und dennoch ganz unbestreitbar anmutig und lange reifen kann. Perfekte Proportionen von Frucht und vielschichtiger Würze kitzeln meine Nase bis zur Ekstase. Es kommt mir fast so vor, als drehe der Wein permanent an den Reglern: Erst nimmt die unschlagbar puristische Frucht immer mehr zu, dann scheint sie sich zurückzuziehen und macht Platz für diese unergründliche, unwiderstehliche Würze. Dieses »Heiß-Kalt-Versteckspiel« der Aromen baut eine schier unglaubliche Spannung auf. Meine Nase wandert unaufhaltsam immer wieder zurück zum Glas, um das Geheimnis zu lüften. Dieser Altagracia ist der Wahnsinn! Er besitzt viele der bezaubernden Eigenschaften, die so typisch für Eisele sind. Und selbst wenn der »Estate Cabernet« in seiner Größe unerreichbar bleibt, lässt dieser Altagracia sie doch erahnen. Dieser Stoff ist die unbeschwertere kleine Schwester mit dem »Lecker-Gen«, jugendlicher Energie und unschlagbarer Anmut. So verlockend schön und attraktiv! Im Mund trifft üppige, reife, dunkle Frucht opulent und samtig auf die Zunge: Schwarzkirsche, süße schwarze Johannisbeere und Brombeere. Die vielen perfekt reifen, geschliffenen, beinahe pudrigen Tannine geben diesem graziösen Altagracia seine Definition. Im Nachhall bleiben Zedernholz, Vanille, ein Hauch Kokos, Tonkabohne und perfekt harmonisch integrierte Bitterorange. Wieder dieses gegensätzliche Spiel von Süße und einer perfekt dosierten Bitterkeit. Milchschokolade und Salzlakritz spannen das »Lecker-Gen« kaleidoskopartig über die Zunge. Dieser Wein ist intensiv, aber nicht mächtig. Verspielt und dennoch ernstzunehmen. Aber allem voran ist er unschlagbar elegant. Ein Wein, von dem man aufgrund seiner harmonischen Aromen nur schwer die Finger lassen kann – wobei er mit mehr Zeit im Keller garantiert noch schöner wird. Ein absolut himmlischer Klassiker und ein Muss für jeden ernsthaften Kalifornien-Liebhaber. Kann ein Zweitwein perfekt sein? Eigentlich ist er ja kein Zweitwein, sondern die verspielte Anmut einer grandiosen, bezaubernden Andersartigkeit. Je öfter ich das Glas ansetze, desto mehr bin ich überzeugt: Die Antwort ist JA. Dieser Stoff bringt wirklich unbeschreibliche Freude ins Glas.