Christmann: Spätburgunder Idig Großes Gewächs 2023
- Spätburgunder 100%
- rot, trocken
- 13,0% Vol.
- Trinkreife: 2027–2048
- seidig & aromatisch
- frische Säure
- strukturiert
- Lobenberg: 99+/100
- Suckling: 98/100
- Vinum: 98/100
- Yves Beck: 96/100
- Galloni: 95/100
- Deutschland, Pfalz
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Christmann, Peter-Koch-Str. 43, 67435 Gimmeldingen, DEUTSCHLAND
Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Idig Großes Gewächs 2023
/100
Im Idig steht auch ein Stück einer burgundischen Top-Selektion Massale, die Steffen Christmann 2008 selbst angelegt hat. Daneben auch deutsche Genetik, die weniger Konzentration, aber mehr Frische bringt. Der Idig ist Christmanns Paradelage, ein fast reiner Südhang. Wie ein Kessel gen Westen gegen kühle Winde geschützt, mit einem extrem steinigen Kalkmergel-Boden. Sophie Christmann, Tochter von Steffen Christmann, hat nach dem Geisenheim Studium unter anderem bei Julian Huber gearbeitet und spätestens dort eine besondere Leidenschaft und ein Händchen für Spätburgunder entwickelt. Die Rieslinge aus dem Idig sind schon lange Oberklasse und auch die Pinots sind nun in dieser Liga angekommen, sodass man sie definitiv zu den besten Deutschlands zählen kann oder sogar muss! Nur wenig Pigeage, eher zarte Vinifikation. Spontangärung mit einer Prise Rappen. Der Ausbau erfolgt im Barrique mit geringem Neuholz-Anteil von rund 15 bis 20 Prozent. Der Idig zeigt sich wieder einmal dunkel und unfassbar tiefgründig, von allen Pinots jetzt so jung definitiv am verschlossensten. Rauchig unterlegte Gesteinsnoten. Feuerstein, etwas Basalt, ganz feine Anklänge von Sandelholz, getrocknete Wiesenkräuter und vor allem viele dunkelflorale Akzente. Satte Veilchen, Schwarzkirsche, Holunder, eher Brombeere als Himbeere. Sehr gesetzt und unaufgeregt, strahlt schon in der Nase eine Erhabenheit und tiefe Ruhe aus. Am Gaumen geht es dann genau so weiter: Satte Frucht von Schwarzkirsche und Zwetschge, dunkle Himbeernoten, etwas schwarzer Pfeffer. Reifes, seidiges Tannin kleidet den gesamten Mundraum aus. Wow, was für eine Intensität! Aber auch hier haben wir wieder diese Ruhe, diese geschliffene Balance. Im Kern dann unheimlich konzentriert und kraftvoll aber ohne schwer zu sein. Dieses perfekte Gesamtpaket schafft bei Christmann nur der Idig und das macht ihn so einzigartig. Ganz feine Säure stützt und begleitet den Wein in seinen langen Abgang. Ein wahrlich großer Wein!
Jahrgangsbericht
Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!
/100
Suckling über: Spätburgunder Idig Großes Gewächs
As subtle as this great pinot noir is on the nose, when you take your first sip it transports you to the dark side of the moon. Incredibly dense core on the medium-bodied palate, yet this is delicate and refreshing in the deeply velvety finish. From organically grown grapes. Best after 2027.
/100
Vinum über: Spätburgunder Idig Großes Gewächs
Die Nase strahlt grosse Ruhe aus, in Anflügen zeigen sich Zeder, Tabak, Kirsche, Stein ... aber wie gesagt in Anflügen. Das ist von einer Gediegenheit, die sich im Mund fortsetzt. Keine Aufzeigen irgendeines Parameters, Frucht, Körper, Würze, Tannin, Säure stehen derart im Einklang wie ein Symphonieorchester. Wohlklang in flüssiger Form. Löst wohlige Schauer aus. Der wahrscheinlich beste IDIG Pinot bisher. Womit sich die Frage stellt: Wo soll das noch enden?
/100
Yves Beck über: Spätburgunder Idig Großes Gewächs
Wie viel Finesse und Subtilitat im Bouquet dieses Pinot Noir, mit einer offensichtlichen Priorität für Einzelheiten. Der Stil des Bouquets wird vom Gaumen bestens aufgegriffen, der das Streben nach Exzellenz fortsetzt. Es sind die Details, die diesen Wein ausmachen, die vielen Elemente, aus denen er besteht, jedes mit einer klar definierten Aufgabe, die zu einer herausragenden Symbiose aus Finesse, Frische und Präzision führt. Der Pinot Noir geht als Sieger hervor! Er muss seine Leidenschaft noch etwas zügeln, er ist ein junger Wein, der gerade erst seine Teenager Zeit hinter sich hat, aber zu seinem großen Verdienst muss man anerkennen, dass er sein Zimmer sehr gut aufgeräumt hat und bereit ist, sich dem Studium Epikurs zu widmen!
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Galloni über: Spätburgunder Idig Großes Gewächs
The 2023 Pinot Noir Königsbacher Idig Grosses Gewächs, as usual, comes with a touch of reduction and the merest smattering of cinnamon. Brightness and luminosity are immediate and apparent on the nose before carrying right onto the palate. Its lithe red fruit is pure and vivid. Freshness and density show the inherent finesse of the site. The 2023 is wonderfully firm, long, structured and so very elegant. (Bone-dry)
Christmann
Seit 1996 ist Steffen Christmann in 7. Generation das Mastermind hinter Weingut A. Christmann. Inzwischen ist auch Tochter Sophie fest an seiner Seite. Das dynamische Duo steht hinter einigen der größten Weine der Pfalz aus biodynamischem Anbau.