Das Besondere in diesem absoluten Topjahrgang ist, dass die Rebsorte Carmenère nun mit 20 Prozent an die zweite Stelle im Blend getreten ist. Das macht auch diese wunderbare Frische und diesen wunderbaren Angang in so feiner roter Frucht aus. Zur Carmenère kommen 72 Prozent Cabernet Sauvignon und acht Prozent Merlot. Der Merlot wurde zwischen dem 16. und 19. September gelesen. Carménère und Cabernet Sauvignon vom 22. bis zum 24. September. Der Ertrag lag bei 35 Hektolitern pro Hektar. Alkoholgehalt 13,5 Volumenprozent. Carmenère 2025 steht mit einem dunkel glänzenden Rubinrot mit schwarzen Reflexen im Glas. 2025 hat eine sehr reife, duftige Nase. Schlehe, viel rote Frucht mit reifer Walderdbeere, Sauerkirsche, aber auch süße und schwarze Kirsche. In Summe ist das extrem fein, keine Kanten, nichts ist rau, unreif oder grün. Einfach nur fein, leicht und beschwingt, luftig, trotzdem aromatisch duftig und voller Charme… Was ist nun das Besondere an 2025, an was erinnert es mich? Die wunderschöne reife und gleichzeitig spannungsgeladene rote Frucht im Mund hat Ansätze vom aufregenden, leicht nervösen 2019er. Trotzdem sind die Tannine in 2025 super geschliffen und extrem fein. Man hat Frische und Mineralität, viel rote Frucht und Grip dazu von roter Johannisbeere und Sauerkirsche. Aber eben auch Süße und ultrafeines, geschliffenes Tannin. Das ist irgendwo schon das Besondere des Jahrgangs 2025. Die Gerbstoffe sind komplett reif und fein, beschwingt, schwebend und seidig. Das ergibt einen luftigen Finesse-Wein mit viel Ambition, Grip und Vibration. Gleichzeitig ist er unendlich fein, schick und lang. Mit toller Säure aus Orangenzesten, Zitrusfrüchten und roter Johannisbeere, immer wieder hochrollend. Eine Ode an die Freude! Ein unendlich feiner, schicker Wein mit viel Anspruch. Burgund trifft Loire! Schicker feiner Schliff und Finesse treffen auf Mineralität, Grip und fantastische Säure. Nein, dieser Wein ist kein Riese, aber eine unendliche Köstlichkeit. So klar, so fein und gleichzeitig so präzise strukturiert – das ist 2025 in seiner schönsten Form. Eine der großartigsten Empfehlungen in der Appellation Médoc in diesem Jahr. Ich hoffe, dass wir gleich bei Clos Manou auf ähnliche Klasse treffen, denn sonst könnte Château Carmenère schon der Primus inter pares sein. Einfach superb und schick! *** Das junge Ehepaar Barraud von Château Carmenère arbeitet auch bei anderen Weingütern. Richard ist Weinbergsmanager von Château Haut Batailley in Pauillac. Die beiden Enthusiasten haben ihre 3,5 Hektar Rebberge im Médoc, nördlich von Pauillac, erst 2006 in Betrieb genommen. Château Carmenère, im obersten Bereich des Médoc gelegen, ist in zwischen seit einigen Jahren im Besitz einer optischen Nachsortier-Maschine, die im obersten Qualitätsbereich im Bordelais schon lange bekannt ist. Lasergesteuert, mit Luftschuss-Aussortierung. Diese gebrauchte Maschine kommt von Ducru-Beaucaillou, dort hat man sich neuere Technik gekauft. Das führt zusätzlich zur händischen Auslese zu weiteren 10 Prozent Ausschuss nicht vollreifer Beeren. Die Perfektion schreitet bei Richard immer weiter voran. Er ist im Grunde ein ähnlicher Extremist wie Stephane Dief auf Château Clos Manou. Extreme Weinbergsarbeit in Verbindung mit einer extremen Handauslese mit nachträglicher optischer Auslese. Einer der absoluten Superstars und trotzdem völlig unbekannt. Das Weingut arbeitet im Keller und im Weinberg voll biologisch. Beraten wird es vom besten Önologen des ganzen Médoc, Eric Boissenot, der auch alle Premier Crus berät und betreut. In der Assemblage ist auch immer ein Anteil Carménère enthalten, eine Rebsorte, die diesem Weingut seinen Namen gibt. Sie bringt eine ungeahnte Würze und Authentizität mit sich. Die Weine aus der Rebsorte sind speziell, spezifisch und ausdrucksstark, insgesamt bei den Winzern jedoch nicht so beliebt, da Ertrag und Beeren sehr klein sind. Carménère ist tanninreich und vor allem ausdrucksstark. Die Qualitätsfetischisten stehen auf die Rebsorte. Ausgebaut wird in 35 Prozent neuen Barriques. Die Vinifikation findet spontan im Zement statt, zuvor werden die Trauben komplett entrappt. Die Assemblage findet sofort nach der Fermentation statt, bevor es ins Holz geht und in die Malo.