In dem unscheinbaren Dorf Gueux, am nordwestlichen Rand der Montagne de Reims, beweist er seit Ende der 90er Jahre, dass Meunier auf dem richtigen Boden und in den Händen eines Genies zu den komplexesten und langlebigsten Champagnern überhaupt führen kann.
Jérôme Prévost ist kein gewöhnlicher Winzer. Er ist ein Philosoph, ein Künstler und ein Perfektionist. Seine Initialzündung erlebte er bei keinem Geringeren als Anselme Selosse, der ihm in den Anfangsjahren nicht nur mit Rat, sondern auch mit Kellerkapazitäten zur Seite stand. Von Selosse übernahm Prévost den unbedingten Fokus auf die Reife der Traube und den respektvollen Ausbau im Holz. Doch Prévost hat den Stil weiterentwickelt und eine ganz eigene, kultigeIdentität für seine Domaine La Closerie geschaffen.
Herzstück seiner Domaine ist die Einzellage »Les Béguines«. Im Gegensatz zu den kreidefelsen-geprägten Lagen der Côte des Blancs finden wir hier in Gueux eine faszinierende Mischung aus sandigen Böden, kalkhaltigem Lehm und unzähligen marinen Fossilien. Diese Bodenstruktur verleiht den Weinen eine unvergleichliche Exotik und eine rauchige, fast salzige Mineralität. Prévost bewirtschaftet seine nur gut zwei Hektar mit einer Hingabe, die an Gartenbau grenzt. Naturnah, mit extrem niedrigen Erträgen und einem untrüglichen Gespür für den richtigen Lesezeitpunkt.
Prévosts Champagner sind im Grunde große Stillweine mit Kohlensäure. Sie werden komplett im gebrauchten Barrique vergoren und ausgebaut, ungeschönt und unfiltriert. Les Béguines ist fast immer ein reinsortiger Meunier – manchmal mit winzigen Anteilen der im Satz gepflanzten Rebsorten Chardonnay, Pinot Noir und Petit Meslier. Sein Stil ist weinig, druckvoll, tiefwürzig und unterlegt mit einer vibrierenden Energie.
Seit kurzem hat Jérôme sein Portfolio unter dem Label LC leicht erweitert, um auch Trauben aus angrenzenden Parzellen zu integrieren. Doch die Philosophie bleibt dieselbe: Absolute Terroir-Transparenz, recht späte Lese, Holzausbau und ein Verzicht auf hohe Dosagen.
Jérôme Prévost ist der Inbegriff des »Grower Champagne«-Kultes und war einer der ersten Priester dieser Bewegung. Seine Weine sind rar, weltweit gesucht und oft schon ab Weingut ausverkauft. Wer das Glück hat, eine Flasche La Closerie in die Finger zu bekommen, wird häufig ein großes Weinerlebnis vor sich haben. Es ist Meunier in seiner edelsten, intellektuellsten Form. Ein Muss für jeden ernsthaften Champagner-Sammler.


