Wittmann: Spätburgunder Steingrube Erste Lage 2023

Wittmann: Spätburgunder Steingrube Erste Lage 2023

VDP

Zum Winzer

Spätburgunder 100%
rot, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2037
saftig
frische Säure
seidig & aromatisch
Lobenberg: 95+/100
Parker: 92/100
Deutschland, Rheinhessen
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Steingrube Erste Lage 2023

95+
/100

Der Wein stammt von 50 Jahre alten Reben, die Philipp Wittmann grünveredelt hat. Es war schon immer Spätburgunder, allerdings alte deutsche Freiburger-Klone von 50 Jahren, diese hat Philipp dann auf eine Top-Selektion Massale aus dem Burgund gepfropft. Somit haben wir jetzt mega Genetik mit alten Wurzeln in diesem Erstlingswerk aus 2023. Ein extrem kalksteinreicher Weinberg. Auch Gesine Roll von Weedenborn und KP und Felix Keller haben Burgunder in der Lage und sie kristallisiert sich immer mehr zum Hotspot für Burgundersorten in Westhofen heraus. Nach einigen Tagen Kaltmazeration, startet die Spontangärung in Edelstahl, komplett entrappt. Der Ausbau erfolgt dann in burgundischen Pièce für rund ein Jahr. In der Nase zerstoßener Kalkstein, dunkelrote Waldbeeren, Cassis und Holunderbeere. Der Wein ist sehr klar und kalkig geprägt, viel Bodenausdruck. Das Spätburgunder-Projekt ist noch relativ klein bei Philipp Wittmann, er kann da mit seinem riesigen Team sehr präzise lesen und sortieren, dann passt einfach alles. Spätburgunder ist bei Wittmann immer noch eine Boutique-Geschichte, sehr wenig Menge und nie in dem Maßstab wie Riesling, aber eben mit demselben Anspruch und Handwerk. Das wird schon.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

92
/100

Parker über: Spätburgunder Steingrube Erste Lage

The 2023 Westhofener Steingrube 1G Spätburgunder comes from 40-year-old vines grafted with massal selections from Burgundy. From manually destemmed grapes, cold-macerated for four days, fermented for a week with some punch-downs and aged in one- to three-year-old French pièces for 16 to 17 months, this is a delicate, fresh and red-fruity Pinot that opens with smoky notes of red cherries and is delicately fragrant and fresh and remarkably subtle for German Pinot Noir. Silky, lush and elegant on the palate, this is a dense, intense and finely juicy Pinot with very fine tannins and an elegant, balanced and swinging, even saline finish. 12.5% stated alcohol. Natural cork. Tasted at the domaine in August 2025.,,

Mein Winzer

Weingut Wittmann

Das Weingut Wittmann existiert seit vielen Generationen. Inzwischen führt Philipp Wittmann das Weingut in langer Familientradition. Unter seinen Händen ist Wittmann neben KP Keller heute ganz klar das renommierteste Weingut für trockenen Riesling in Rheinhessen. Die Eltern, Elisabeth und Günter,...

Spätburgunder Steingrube Erste Lage 2023