Es gab 2024 nur 15 hl/ha Ertrag im Betriebsschnitt bei Bertram-Baltes. Erst der heftige Frühjahrsfrost und dann extreme Peronospora-Attacken und anhaltende Regenfälle, die gerade für die Bio-Winzer eine große Herausforderung waren. Aromatisch ist es ein kühleres, moderat reifes Jahr, ähnlich wie 2016, das für grandios elegante, kühle Spätburgunder gesorgt hat. Wirtschaftlich war das Jahr eine Katastrophe, weil selbst die Basis einen Arbeitsaufwand wie GGs/Lagenweine erfordert haben, um die Qualität zu bringen, aber am Ende ging es nur so, dann ist auch die Basis schon superb. Bei den Lagenweinen wird es dann richtig individuell. In den Weinbergen arbeiten Bertram-Baltes mit Permakultur in Dauerbegrünung. Das ist in der Steillage mit alten Reben ein extremer Aufwand. Alle Weine werden komplett gleich bearbeitet, schon der Gutswein Handwerk wird händisch Beere für Beere selektiert auf dem Sortiertisch, bis hoch zu den Lagenweinen. Die spontane Vergärung findet in offenen Edelstahl-Gärständern statt. Bei Bertram-Baltes gibt es mittlerweile nahezu keine Barriques mehr, alles wird in 600 und 1200 Liter Fässern ausgebaut, kein neues Holz. Er ist auch in 2024 mit zarten 11.5% vol. der reifste und »üppigste« Wein in der Range, wenn man das so sagen kann. Sieht man von den Werten mal ab, ist das ein tiefer, satter und reicher Wein, dem man eher 13% vol. andichtet als seine ultraschlanken 11.5%. Da fehlt gar nichts. Er steht satt im Glas mit generöser Fruchtfülle von Grapefruit, Schlehe, dunkler Himbeere, frisch aufgewühlter Erde, Bleistiftabrieb, dunkler Herzkirsche. Eine köstliche Melange aus Frucht und Würze und sooo kühl und filigran. Das ist quasi Bertram-Baltes Latricières-Chambertin Grand Cru. Der Kräuterberg hatte in 2024 kaum Frostschaden – und das merkt man ihm an. Er ist gelassener, seidiger und generöser als die anderen Top-Lagen. Das ist ganz großes, klassisches Ahr-Kino, aber eben eher Arthaus-Kino, wenn man es mit vielen anderen Betrieben an der Ahr vergleicht.