Beim »U500« steht der Buchstabe für die Lage Ungeheuer und die Zahl für die Fassgröße. Es ist also eine Selektion aus einer alten Parzellen des Ungeheuer GG, abgebaut im neuen 500-Liter Tonneau. Der U500 war eine Zeit lang die noch dichtere, rauchigere »Plus-Version« des großen Gewächses, seitdem es den MarMar gibt, liegt der U500 quasi zwischen diesen beiden Weinen, wobei er immer eine sehr eigenständige Charakteristik hat und stark heraussticht. Die Lage hat ein sehr komplexes Bodenprofil, geprägt von Kalkstein, Basalt und verwittertem Buntsandstein. Ganztraubenanquetschung und Einmaischung, sechs bis zwölf Stunden Mazerationszeit. Dann relativ scharf abgepresst, ohne drehende Presse. Sehr lange auf der Vollhefe ausgebaut. In der Nase eine irre Tiefe. Enorm rauchig, mystisch und dunkel. Feuerstein, Gesteinsmehl, zarter Rauch, und Sandelholz. Gesalzenes Butterpopcorn, reife Amalfizitrone, Salbeibutter, gerösteter Toast, Blütenhonig, gelber Apfel, Quitte und Marille. Großartige Komplexität, wow! Das ist schon ziemlich irre und eigenständig. Ich weiß nicht, wann ich überhaupt mal so einen Riesling verkostet habe. Das ist schon eher burgundisch. Auch im Mund dicht und kraftvoll mit zupackender, satter Mineralität. Salzmandel, reifer Pfirsich, reife Zitrone, ein Hauch Orangenschale und Salbei, fleischige Exotik von saurer Mango und herbe Kumquat. Feines Spiel, große Länge. Im Nachhall drückt die steinige Mineralität immer wieder nach. Das ist ein großes Riesling-Unikat! Genial!
»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!