von Winning: Chardonnay Herrenletten 2023

von Winning: Chardonnay Herrenletten 2023

VDP

Zum Winzer

Chardonnay 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2046
voll & rund
exotisch & aromatisch
mineralisch
Lobenberg: 96+/100
Falstaff: 93+/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chardonnay Herrenletten 2023

96+
/100

Die Lage Herrenletten liegt in Haardt und zeichnet sich aus durch ihren tiefgründigen Boden, den sogenannten »Letten«, ein Gemisch aus kalkigem Lehm und mergeligem Ton. Der Herrenletten ist definitiv Stephan Attmanns Antwort auf einen kraftvollen Puligny-Montrachet! Recht trüb im Barrique vergoren und ausgebaut. Teils neue Fässer, teils Zweitbelegung. Die Nase besticht zunächst durch ihre geballte Kraft von dunkler Rauchigkeit. Feuerstein mit Brioche, etwas Tonkabohne und geröstete Walnuss im Vordergrund. Mit Luft zeigt sich dann auch die satte Frucht: Reife Nektarine mit zart exotischen Anklängen von Mango. Schale und Blüte von der Orange. Konzentriert und durchaus laut, aber gleichzeitig auch erstaunlich fein. Dieser Eindruck setzt sich dann auch direkt im Mund fort: Der Mundeintritt ist enorm gelbfleischig wie der Biss in eine saftige Nektarine und reife Marille, gestützt durch eine reife Zitrusfrische. Feine Säurestruktur mit griffigen Gerbstoffen ergeben eine geniale Textur. Ordentlich Fruchtdruck mit tiefgründiger Mineralität, Säurespiel und feinem Hefeschmelz im sehr langen Nachhall. Was für eine Power, was für eine einfach nur perfekte Balance aus dem typischen »Lecker-Gen« und ernsthafter, mineralischer Tiefe, wie es kaum jemand so gut beherrscht wie Von Winning. Das ist wirklich großartiges Chardonnay-Kino – Burgund im Sinn, aber ganz typisch Pfalz im Kern.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

93+
/100

Falstaff über: Chardonnay Herrenletten

Ein kräftige Holzwürze und rauchig-hefige Aromen bestimmen den Duft. Der Gaumen eröffnet saftig, fährt mit einer dichten Verbindung von Geschmeidigkeit und Stoff fort, und endet rauchig-holzgeprägt. Eine lebendige, aber auch reife Säure trägt den Bau. Noch sehr jung!

Mein Winzer

von Winning

Unter der Federführung von Stephan Attmann ist von Winning in den letzten Jahren im Eiltempo an der Spitze angekommen! Von Winning ist dabei keine Neugründung, sondern der Rückbezug auf eine glorreiche Vergangenheit, entstanden aus der Masse des Weinguts Dr. Deinhard.

Chardonnay Herrenletten 2023