Vietti: Barbaresco Roncaglie 2022

Vietti: Barbaresco Roncaglie 2022

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2040
voluminös & kräftig
strukturiert
Lobenberg: 95–96/100
Galloni: 94/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barbaresco Roncaglie 2022

95–96
/100

Roncaglie ist eine der westlichsten Lagen in Barbaresco in perfekter Süd-West-Ausrichtung auf Sand und Kalkmergel. Wenn man auf Barbaresco zufährt, ist es einer der ersten Weinberge. Das Weingut Vietti hat diesen 2,5 Hektar Weinberg mit über 30 Jahre alten Reben voll bestockt vor einigen Jahren kaufen können. 2018 war der erste Jahrgang, der veröffentlicht wurde, bis einschließlich dem Jahrgang 2017 wurde die Lage unter dem Namen »Masseria« in einem Blend aus verschiedenen Cru-Lagen von Treiso und Barbaresco abgefüllt. Seit dem Jahrgang 2018 ist der Roncaglie Masseria wie gesagt ausschließlich aus dieser Cru Lage, aus der übrigens auch Angelo Gajas Sori Tildin und Costa Rossi kommen. Leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Reife, opulent süße Kirschen, Himbeeren und Erdbeermarmelade mit zartem Orangensaft und gelben Noten von Pfirsich und Nektarine. Frucht-intensiv und dicht schiebend mit verspielten braunen Gewürzen und schwebendem Potpourri – eine wunderbar offene, saftige Nase. Im Mund kleiden die monumental vielen, feinen und griffigen Tannine von sandiger Textur den Mund aus. Die immens saftige, rote Frucht kann es aber mit dieser beeindruckenden Struktur aufnehmen. Vanille, Zimt und verführerische, zarte, braune, vielschichtige Gewürze im Spiel mit dezent bitteren Kräutern. In diesem jungen Stadium bei meiner Probe im Oktober 2025 ist der Roncaglie noch etwas »eckig«, aber wie gesagt auch monumental schiebend im Nachhall mit viel Saftigkeit, die es 1:1 mit der Struktur aufnehmen kann.

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

94
/100

Galloni über: Barbaresco Roncaglie

The 2022 Barbaresco Roncaglie is all class. Elegant, lifted and perfumed, the 2022 is so elegant, so refined. Freshly cut flowers, red berry fruit, chalk, mint and white pepper are beautifully delineated. This mid-weight, nuanced Barbaresco is all class. Floral and savory overtones linger on the back end.

Jeb Dunnuck über: Barbaresco Roncaglie

The 2022 Barbaresco Roncaglie pours a bright transparent red hue and opens with aromas of fresh raspberries, herbes de Provence, dusty earth, and sweet fennel. Medium-bodied, it carries the warmth of the vintage gracefully, showing fine tannins, refreshing acidity, and delicate citrus notes through the finish. The wine comes from a three-hectare vineyard of which roughly one-third is used for this bottling. 5,800 bottles were produced. Drink 2026-2042.

Mein Winzer

Vietti

Die Familie Vietti erzeugt Wein seit vier Generationen in Castglione Falletto im Herzen des Anbaugebiets Barolo. Seit 1957 war der 2012 verstorbene Alfredo Currado für den Ausbau der Weine verantwortlich, schon 1961 begann er die großen Lagen separat zu vinifizieren. Vietti war es vorbehalten, den...

Barbaresco Roncaglie 2022