Schätzel: Riesling Fuchs 2022

Schätzel: Riesling Fuchs 2022

BIO

VDP

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
11,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2037
frische Säure
exotisch & aromatisch
naturbelassen
Lobenberg: 95–96+/100
Falstaff zu 2021: 94–96/100
Deutschland, Rheinhessen
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Fuchs 2022

95–96+
/100

Bei dem Riesling Fuchs handelt es sich um ein einzelnes Gewann innerhalb der Großen Lage Hipping, aus der Parzelle Fuchsloch. Ein ganz kleines Stück mit den ältesten Reben, die Kai Schätzel als Naturwein ausgebaut hat. Zu 100 Prozent spontan vergoren. Natürlich vom rotliegenden, eisenhaltigen Tonschiefer am Roten Hang. Alles biodynamische Handarbeit, teilweise Dichtpflanzung. Die Reben sind um die 40 Jahre alt. Die Ganztrauben werden mit den Füßen eingemaischt, dann bis zu eine Woche Maischestandzeit unter Trockeneis. Anschließend kommt der Most mit Dreck und Speck ins Stückfass und wird dort spontan vergoren. Ein 600 Liter-Fass, also circa 800 Flaschen. Dieser Naturwein hat nie Schwefel gesehen und liegt lange Zeit unter Florhefe im Fass. Er hat auch bis zur Abfüllung im Spätsommer keinen Schwefel gesehen, lag also rund drei Jahre unter einer Florhefeschicht im Fass. Dann geht er so stabil wie er ist in die Flasche. Kai hat den Naturwein salonfähig gemacht, denn zwischenzeitlich wurden auch seine GGs aus dem Pettenthal und Hipping ungeschwefelt und unfiltriert abgefüllt, die es seit geraumer Zeit aber so gar nicht mehr gibt, sondern nur noch als Fuchs und Reh. Somit kann mittlerweile alles zu dieser Kategorie gezählt werden, was an Lagen-Weinen aus Kais Keller kommt, allerdings ohne offizielle Lagen-Bezeichnung, weil die Weine als Landwein Rhein gelabelt werden. Kai Schätzel meint, dass im ungeschwefelten Bereich die Unterschiede zwischen Pettenthal und Hipping viel eklatanter sind als im GG-Bereich. Die Nase widerspiegelt das lange Hefelager perfekt. Ein Wein wie ein Unikat von Peter Jakob Kühn, aber natürlich in einer völlig anderen Art Wein. Sanft, intensiv, fließend. Das Bouquet zeigt diese schöne reife Pfirsichfrucht, strahlt eine köstliche Saftigkeit aus. Blumig ist er, dazu grüne Olive, Olivenöl, leichter Sherry-Touch, auch Kombu-Alge. Das ist Hipping in einer ganz anderen Denkweise, frei von dem, was andere Winzer in dieser Lage sehen. Dennoch zeigt der Wein die typische Blumigkeit und tonschiefrige, mediterrane Würze des Weinbergs. Sehr salziger, würziger, kräuterfrischer Mund, der einen gewissen Umami-Charakter ausstrahlt. Das ist die Krönung seines bisherigen Weges in diese Richtung. Schätzel-Natur ist auf eigenwillige Weise genial – und eben gar nicht mal so schräg wie man vielleicht meinen würde.

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

Verkostungsnotiz
94–96
/100

Falstaff zu 2021 über: Riesling Fuchs

Riecht nach Wermut, Sternanis, Fenchel, Kumquats, Vin Jaune, grüne Walnuss, Jod. Schlank gebaut, straff, präzise Säure, die Phenolik ist merklich und strukturiert den Gaumen, pfeffrig, auch Ingwer. Saftig, herber Apfel, salin, druckvoll, lang und mineralisch.

Mein Winzer

Schätzel

Kai Schätzel zählt aktuell sicher zur Liga der interessantesten Winzer Rheinhessens. Seit einigen Jahren beobachte ich nun die Weine. Dabei kristallisiert sich mit jedem Jahrgang nach einer experimentellen Anfangszeit ein klarer Stil heraus. Kai Schätzel hat mittlerweile seinen eigenen Stil gefunden...

Riesling Fuchs 2022