Wie immer alles aus biodynamischer Bewirtschaftung. Die unterschiedlichen Moste werden alle zu 100 Prozent rein spontanvergoren, größtenteils in deutschen Stückfässern und Halbstückfässern. Das ist kein Orangewein im eigentlichen Sinne, auch wenn die Maischen unterschiedlich lange Standzeiten gemacht haben und teilweise Ganztrauben in Traubensäcken in die gärenden Moste gegeben wurden. Beizeiten mit den Füßen untergestoßen, damit die gesamte Gärung quasi unter einer natürlichen CO2-Schutzschicht unter Sauerstoffabschluss stattfindet und der Most vor Oxidation geschützt ist. Also kein reiner Orangewein, keine Oxidation, dennoch alles so naturbelassen wie möglich, das war die Idee hinter diesem spannenden Wein. Kai Schätzel hat hier seiner Experimentierfreude freien Lauf gelassen, aber alles tip-top clean, stabil und reintönig. Das sorgt dann für eine erfrischende, klare Nase von einem optisch eher trüben Wein und das ist genau die Idee hinter dem Naturweiss. Kai Schätzel ist schon seit über 10 Jahren in diesem Naturweinbereich unterwegs, damals gab es den Begriff noch gar nicht wirklich in Deutschland. Mittlerweile ist er angekommen und muss sich nicht mehr zu den jungen Wilden zählen, die jeden Quatsch mitmachen müssen. Den Wein zwar so naturbelassen wie möglich zu erzeugen, aber dennoch eine Präzision, Frische und die puristische Linie auszudrücken für die Schätzel steht. Hier sind Maische-Anteile drin, zudem leicht geschwefelte Anteile, sowie ungeschwefelte und auch ein paar Partien, die unter Florhefe gereift sind, wie im Jura oder Sherry üblich. Alle Experimente, die Kai in den letzten Jahren in kleinen Teilen gemacht hat, finden jetzt hier ein schlüssiges Ziel. Auf einen total stabilen, für jeden zugänglichen Naturwein hat er hingearbeitet und jetzt ist er erstmals mit einem Blend aller Teile genau dort angekommen, worauf er jahrelang hingearbeitet hat. Riesling, Weißburgunder, Silvaner, Müller-Thurgau, alles ist ein bisschen hier drin, aber Riesling ist die DNA. Der Wein wird von Jahr zu Jahr klarer und präziser! Tolle Aromatik irgendwo zwischen grünem Tee, Bergwiesenheu, erdiger Boskoopapfel, Zitronengras. Im Mund kommt dann noch sehr viel Grapefruitfrische hinzu. Aber auch im Mund ist es nicht mehr so extrem wild wie früher, bekommt eine Trinkigkeit und Animation. Die Kimchi-Aromatik früherer Tage ist etwas runtergetunt, es schmeckt harmonischer, angekommener, ist richtig trinkbarer Stoff geworden. Natural ist im Gutswein angekommen. Und was manch Leser jetzt nicht glaubt: Der Wein ist dazu nicht nur spannend, sondern auch unglaublich lecker. Kai selbst trinkt diesen Stoff sogar gerne als Naturspritz mit einem Schuss Wasser im Sommer.
»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!