Das kleine Weingut Scarzello liegt direkt hinter dem Weingut Bartolo Mascarello, mitten im Herzen der Ortschaft Barolo. Insgesamt gehören acht Hektar Weinberge zum Besitz. In diesen Comune di Barolo gehen die Trauben der über 25 Jahre alten Reben aus einer zwei Hektar großen Parzelle der Cru Lage Sarmassa (bekannt durch Roberto Voerzio) auf 250 Höhenmetern und einer 0,5 Hektar großen Parzelle der Lage Terlo auf 350 Höhenmetern, alles wird von Hand gelesen. Die Böden bestehen hauptsächlich aus kalkhaltigen Tonböden mit etwas mehr Sand in Terlo. Spontan mit wilden Hefen vergoren, die Beerenschalen mazerieren 30 bis 50 Tage lang mit der traditionellen Technik Capello Sommerso – der Trester wird also mit einem Netz unter der Weinoberfläche gehalten, bevor er abgepresst wird. So kommen die Trauben nie in Berührung mit Luft und der lange Kontakt mit den Schalen führt laut Federico Scarzello sogar dazu, dass die Tannine am Ende im Mund raffinierter, integrierter und sanfter im Geschmack werden. Die Schalen nehmen während dieser Mazeration einen Teil der Farbe und Tannine wieder auf – das ist komplett entgegengesetzt, wie man sich den Prozess der Extrahierung vorstellt. Sobald der Wein von den Schalen getrennt wurde, folgt der circa 20-monatige Ausbau, hauptsächlich in großen 2.500, 3.000 und 5.000 Liter fassenden Holzfässern und ein paar 500 Liter fassenden Tonneaux. Expressive Jahrgänge, die zugleich sehr fein sind, werden etwas früher abgefüllt, um die Aromatik zu bewahren. Anschließend folgen mindestens 12 bis 24 Monate Flaschenreife, bevor der Wein auf den Markt kommt. Der Jahrgang 2021 wird aller Voraussicht nach erst nach dem Release des 2022er, aber vermutlich ebenfalls noch 2026 auf den Markt kommen. Das Weingut hätte ihn also technisch gesehen als Riserva etikettieren können, wenn sie das während der Lese des Jahrgangs bereits angemeldet hätten. Die Nachbarin Maria Teresa Mascarello scheint stilistisch ein Vorbild zu sein, denn hier haben wir ein phänomenales Finessewunder im Glas, das doch auch ein paar überraschend rustikale Asse aus dem Ärmel zaubert. Ein vielschichtiges Chamäleon, das den Charakter des Piemonts herrlich widerspiegelt! Zartes, leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Was für eine schöne Nase! WOW! Intensiver weißer Trüffel auf schwebender Walderdbeere und roter Kirsche. Das ist so verführerisch, so tänzelnd und schwebend – ein Barolo aus dem Bilderbuch, man möchte immer wieder am Glas riechen. Weiße Rosenblüten kommen duftend dazu, auch salzig-vibrierender Kalkstein, rote Johannisbeeren und Walderdbeeren. Ein Duft, dem man wirklich nur schwer widerstehen kann. Der Wein ist nicht unglaublich komplex, dafür sind aber alle Regler der Aromen genau auf den »Verführer Sweet Spot« aufgedreht. Phänomenal! Wie in einem perfekt gewürzten Gericht, von dem man sich gar nicht erklären kann, wie es überhaupt so unsagbar lecker sein kann. Dieser Barolo ist echt erstaunlich – und das bereits in diesem jungen Stadium. Er wurde 2024 abgefüllt, ich probiere ihn im Oktober 2025. Im Mund ist die Frucht roter Kirschen und roter Johannisbeeren tänzelnd und erfrischend, mit ganz feinen, dezent griffigen Tanninen von kalkiger Textur. Die herausragende Harmonie des Weins besticht, wobei dieser Barolo aufgrund seiner imposanten Nebbiolo-Struktur weniger mit einem roten Burgunder verwechselt werden kann, als das mit dem saftigeren Jahrgang 2020 der Fall war. Dieser Barolo trägt die klare, griffige Handschrift der Rebsorte. Die glockenklare Frucht ist herrlich mit Würze verwoben, während die mineralische Salzigkeit und präzise Frische des Weins harmonisch mit den Tanninen spielen. Aromen von Teer, Graphit und Assam Tee mit Orangenschale und der zarten Würze vielschichtiger Kräuter. Für Barolo-Insider, die auch noch Tannine lieben, ist dieser Wein dem Himmel ganz nah! Kein lauter Wein, aber ein Eleganz-Wunder! Enorm schicker Stoff aus einem der größten Jahrgänge dieses Jahrhunderts!