Helichrysum ist die Bezeichnung einer Strohblume. Der Wein kommt aus einer Parzelle, in der diese markanten Blumen im Weinberg verstreut stehen. Ihr Duft versprüht je nach Jahreszeit curryartige bis fenchelähnliche Aromen. Katja Nussbaum ist mindestens genauso beeindruckend wie ihre Weine. Sie arbeitet nach ihren eigenen, kompromisslosen Bio-Vorstellungen in totalem Einklang mit der Natur. Zudem ist ihre Herangehensweise beim Ausbau von Jahr zu Jahr unterschiedlich und hochindividuell. Nach der Gärung zieht der Wein in große slawonische Eichenfässer um, wo tendenziell der größte Teil auch für circa 36 Monate bleiben wird, um die Sangiovese in ihrer puristischsten Form zu zeigen. Manchmal wird aber auch entschieden, dass ein Teil in gebrauchten oder neuen Barriques weiter ausgebaut wird. Elegant leuchtendes, mittleres Rubinrot. Der Wein duftet bei der Benvenuto-Brunello-Probe im November 2025, bereits vor seinem Markteintritt, herrlich opulent und seidig-charmant aus dem Glas. Vielschichtige getrocknete Kräuter, von Minze bis Salbei, gepaart mit Fenchel und einer spannungsgeladenen, dunkelfruchtigen Schwarzkirsch-Heidelbeer-Blutorangen-Kombi. Wow, dieser Stoff ist zum Reinlegen schön – was für ein wunderbarer Duft! Im Mund besticht der Helichrysum dieses Jahr nicht nur durch die extra Spannung und Präzision, sondern auch durch die zusätzliche Opulenz. Diese Konzentration aus Frucht, Würze und rauchig-salziger Mineralik ist schon ziemlich einzigartig. Vanille, etwas Tonkabohne, weißes Lakritz und feine Chili-Würze. Die Tannine liefern eine feine, aber zugleich griffige Struktur, die gemeinsam mit der salzigen Mineralik auch im Nachhall lange auf der Zunge tänzelt. Sangiovese Grosso at its best! Dunkle Schokolade mit vielschichtigen Kräutern auf reifer Heidelbeere. Total unique in Montalcino! Helichrysum vereint für mich so gekonnt Finesse mit Power, wie es nur wenige Weine tun. Das Bioweingut ist zu Unrecht noch viel zu wenig bekannt, und ich möchte diese Weine jedem ernsthaften Brunello-Liebhaber wirklich ans Herz legen.
Der Brunello-Jahrgang 2021 wurde bereits vor seinem Markteintritt als ebenbürtiger, wenn auch eleganterer Nachfolger des monumentalen 2019ers gefeiert. Nach einem klirrend kalten Winter startete die Wachstumsperiode mithilfe der Märzsonne nur zögerlich. Dennoch reduzierte ein verheerender Spätfrost im April, der besonders die tiefer gelegenen Lagen im Nordosten Montalcinos mit voller Härte traf, die Ernteerträge des Jahrgangs bedeutend. Spitzenwinzer wie Riccardo Campinoti vom Weingut Le Ragnaie beklagen Verluste von bis zu 60 % in der berühmten Montosoli-Parzelle; bei Siro Pacenti fiel die Ernte insgesamt ein Drittel kleiner aus als üblich. Diese »schmerzhafte« Mengenreduktion ist jedoch der einzige Wermutstropfen eines ansonsten absolut makellosen Jahrgangs. Denn was an Quantität verloren ging, wurde dafür mit einer atemberaubenden Qualität wettgemacht. Trotz heißer Sommermonate bewahrten 600 mm punktgenauer Niederschlag die Reben vor jeglichem Trockenstress und schenkten den Pflanzen im richtigen Moment die nötige Kühlung. Die Weinberge befanden sich den ganzen Sommer über in einer geradezu magischen Harmonie. Im September vollendete ein spektakuläres Wechselspiel hoher Temperaturunterschiede von heißen Tagen mit kühlen Nächten die Reife langsam, harmonisch und gleichmäßig. Die Polyphenole und Tannine erreichten ein perfektes Niveau der Reife und zudem blieb die Säure-Balance in den Trauben herausragend – ein Faktor, der zur wunderbaren Frische beitrug, die eine der wichtigsten Charaktereigenschaften des Jahrgangs darstellt. Während 2019 für große Konzentration und Struktur steht, ist 2021 ein Jahrgang der herrlich zarten Finesse. Die Fruchtklarheit und vibrierende Energie dieser Weine ist schlichtweg mind-blowing! Die Tannine sind geschliffen, seidig und von einer fast puderzuckerartigen Eleganz. Im Gegensatz zum eher dunklen Profil von 2019 strahlt 2021 neben den klassischen Aromen von reifer Heidelbeere auch mit einer leuchtend roten Frucht, unterlegt von einer packenden, salzigen Mineralität. Dank der perfekten Tannin-Reife wird 2021 sein ideales Trinkfenster vermutlich sogar früher erreichen als die 2019er Giganten. Bereits bei der Benvenuto Brunello Probe im November 2025 – noch vor dem offiziellen Markteintritt – stachen viele Weine durch ihre verführerische Zugänglichkeit und ihr aristokratisches Profil hervor. Ein mega spannender Jahrgang für Puristen und Genießer gleichermaßen!