Saalwächter: Sylvaner St. Laurentius 2023

Saalwächter: Sylvaner St. Laurentius 2023

Limitiert

Zum Winzer

Silvaner 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2043
voll & rund
mineralisch
exotisch & aromatisch
Lobenberg: 96–97/100
Parker zu 2022: 95/100
Galloni zu 2022: 94–96/100
Deutschland, Rheinhessen
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Sylvaner St. Laurentius 2023

96–97
/100

Lobenberg: Das ist der kargste und salzigste Weinberg von Silvaner-Mastermind Michael Teschke, der seinen Betrieb aufgegeben hat vor einigen Jahren. Eines der besten Stücke ging an Carsten Saalwächter, ab und an springt Michael Teschke auch mal noch vorbei und gibt ihm ein paar Tipps zu diesem sehr speziellen Weinberg. Teschke war durchaus ein Querkopf und hat einen sehr eigenwilligen Weinbau betrieben, aber seine Weine waren mit die Größten aus dieser Rebsorte. Spontane Vergärung und Ausbau in zwei 700 Liter Fässern. Der Wein ist hochfaszinierend, die Nase changiert zwischen dunklem Gestein und exotischer Würze, Curry, Kurkuma, Quittenschale, ein Touch Kiwi. Gewaltiger Druck im Mund, hochkonzentrierte Gerbstoffe, aber alles hochfein, geschmeidig. Das ist Teschkes bester Weinberg gewesen, er hat schon ziemlich Power, und jetzt mit der reduktiveren, strafferen Handschrift von Carsten Saalwächter wird es etwas gebändigt, fokussierter, aber es bleibt ebenso wild in der Art wie es bei Teschke war.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

Verkostungsnotiz
95
/100

Parker zu 2022 über: Sylvaner St. Laurentius

-- Parker zu 2022: From vines planted in the 1960s in the St Laurenziberger Kapelle and vinified in two 800-liter barrels, the 2022 Sylvaner St. Laurentius is from hard limestone soils west of Ingelheim. The wine is pure and chalky yet also intense on the reductive yet attractive nose that is reminiscent of toasted sesame and, yes, Chablis. Very elegant and perfectly round on the palate, this is a textural, refined and balanced Sylvaner that is also intense, complex and powerful. This is a superb terroir wine with a long, saline and salivating finish. It would be fun to include this wine in a blind tasting of Chablis. 13% alcohol. Natural cork. Tasted at the domaine in Ingelheim in February 2025.

Verkostungsnotiz
94–96
/100

Galloni zu 2022 über: Sylvaner St. Laurentius

-- Galloni zu 2022: The 2022 Silvaner Laurenziberg is from vines planted in 1960, rooted in hard limestone with good water availability via underground aquifers. Saalwächter took this over from Michael Teschke, who made a name for himself with his unusual Silvaners. This is Saalwächter's first vintage off the site. It opens with an intense, deeply salty sense of wet walnut skins on the nose. The palate, however, is infinitely creamy, super-smooth and fringed with lovely sorrel and a hint of pine sap. Vivid and enticing, with incredible saltiness, this is a gorgeous combination of freshness, creaminess and salinity. (Bone-dry)

Mein Winzer

Saalwächter

Das Weingut Saalwächter liegt mit seinen 11.5 Hektar im beschaulichen Ingelheim am Rhein. Dem Rheingau gegenüberliegend auf der anderen Rheinseite, ganz im Norden Rheinhessens auf diesem famosen Muschelkalkplateau. Carsten Saalwächter hat uns direkt beim ersten Besuch auf dem Weingut ausgesprochen...

Sylvaner St. Laurentius 2023