Rudolf May: Silvaner Kniebrecher 2023

Rudolf May: Silvaner Kniebrecher 2023

VDP

Limitiert

Zum Winzer

Silvaner 100%
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2029–2045
mineralisch
voll & rund
Lobenberg: 98+/100
Falstaff: 96+/100
Deutschland, Franken
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Silvaner Kniebrecher 2023

98+
/100

Das war 2022 ein Erstlingswerk bei May! In den Kniebrecher gehen die allerbesten Trauben ihrer beiden Top-Lagen, Himmelspfad und Rothlauf, ein. Separat im kleinen Holz ausgebaut, um auf die GG-Qualität nochmal einen draufzusetzen. Es gibt nur zwei Barriques von diesem raren Elixier! Auch der Ausbau ist auf 18 Monate verlängert, er kommt also auch erst im zweiten Jahr nach der Ernte. Der 2023er wurde im März 2025 abgefüllt. Es ist der einzige Silvaner unter Kork bei May, auch weil er vom Sauerstoffaustausch profitiert. Ein hochfeiner Duft, der Familie Mays Expertise im Holzausbau zeigt, so fein verwoben und elegant eingesetzt, viel Kalkstaub in Nase und Mund, darunter ein solch hochverdichteter und kanalisierter Fruchtkern, dass ich ihn kaum entschlüsseln kann. Irre konzentriert, dabei so energetisch und druckvoll salzig, dass er nie schwer wirkt. Der Kniebrecher steht wie ein Fels im Mund, kalkig, stoffig, mit intensivem grünlichem Kräutertouch, ein bisschen Tondonia Blanco in der Aromatik. Diese Größe erreichen nur ganz wenige Silvaner auf der Welt, das ist klar. Der Wein boxt in der selben Klasse wie der Creutz von Luckert. Und er ist trotz oder, besser gesagt, gerade wegen seines längeren Ausbaus noch so unglaublich jung. Wenn dieser Kniebrecher mal in der richtigen Reife ist, kann er mühelos neben den großen Weißweinen der Welt stehen. 2023 ist mega für Silvaner, gefällt mir noch besser als 2022.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

96+
/100

Falstaff über: Silvaner Kniebrecher

Feiner, vielschichtiger Duft mit rauchigem Entrée, grüne Birnen, Zitrusfrucht, weiße Melone, Senfsaat, kreidiges Gesteinsmehl. Feindefinierter, athletischer Gaumen mit kristallinem Säurefluss, seidige Phenolik, cremiger Fond, mineralisch-salzig, dicht, elegant. Langstreckenläufer.

Mein Winzer

Rudolf May

Rudolf May aus dem kleinen Winzerörtchen Retzstadt, nördlich von Würzburg, ist ein ruheloser Geist und als Mensch doch in sich ruhend. Immer auf der Suche nach den kleinen Veränderungen, die seine Arbeit perfektionieren. Aber alles in Einklang mit der Natur – wie seine Bio-Weine.

Silvaner Kniebrecher 2023