Rudolf Fürst: Spätburgunder Klingenberger Schlossberg Großes Gewächs 2023
- Spätburgunder 100%
- rot, trocken
- 13,0% Vol.
- Trinkreife: 2029–2053
- strukturiert
- pikant & würzig
- seidig & aromatisch
- Lobenberg: 98+/100
- Suckling: 98/100
- Parker: 95/100
- Decanter: 97/100
- Falstaff: 96/100
- Deutschland, Franken
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Weingut Rudolf Fürst, Hohenlindenweg 46, 63927 Bürgerstadt, DEUTSCHLAND
Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Klingenberger Schlossberg Großes Gewächs 2023
/100
Der Schlossberg ist die wärmste Lage von Fürst. Süd-, Südwestexposition, also sehr warmer Nachmittag. Extrem viel Trockenmauern. Terrassen mit teilweise nur zwei Reihen, manchmal sogar nur eine. Alles Handarbeit. Wie an der Terrassenmosel, nur hier keine Einzelpfahlerziehung, sondern Drahtrahmen. Diese heißeste Lage der Spätburgunder von Fürst ist gleichzeitig aber nicht die drückendste, sondern die femininste, die zarteste Pinot-Noir-Anlage, weil die Weine eher etwas milder ausfallen. Die Weine sind auch weniger wild. Wie alles steht auch der Schlossberg auf reinem Buntsandstein. Reiner Fels mit etwas Verwitterungsauflage. Der Schlossberg stammt nicht aus Bürgstadt, sondern der Nachbarsgemeinde Klingenberg. Es gibt nur 1,3 Hektar, alles mit französischem Klon bestockt. Fürst arbeitet bei den Spätburgundern mit einer »Vormazeration«, das ist im Grunde keine richtige Kaltmazeration. Die unentrappten, völlig intakten Trauben werden in die Bütt gelegt und mit Kühlplatten auf eine niedrigere Temperatur gebracht, dass sie nicht so schnell in die Gärung schießen. Danach wird das möglichst vorsichtig Entrappte darüber geschichtet, aber nicht angequetscht. Dann wird die Kühlung entfernt und Stück für Stück beginnt die Gärung. Es wird die ersten acht bis zehn Tage überhaupt nicht gestampft, d.h. wir haben eine Vergärung in der teilweise ganze, intakte Beeren heile verbleiben bis zur Pressung. Zwischendurch wird dann allerdings auch mit einem Stößel untergestoßen. Wir haben also eine Kombination aus teilweiser Maceration Carbonique innerhalb der Beeren und gleichzeitig einen oxidativeren Ansatz. Das gibt eine größere Vielschichtigkeit und eine größere Fruchtstärke. Der Schlossberg bekam in 2023 annähernd 100 Prozent Ganztrauben-Anteil in der Gärung. Unfiltrierte Abfüllung nach Ostern 2025. Nach dem Blockbuster 2022 kommt 2023 mit einer etwas filigraneren und minimal schlankeren Ausrichtung an. Die typische Rotbeerigkeit der Lage wird in 2023 auch vom heller getönten Jahrgangscharakter verstärkt, alles tanzt und spielt in diesem Wein. So ruhig und geschliffen die Nase wirkt, so vibrierend und saftig ist der Mundeintritt. Würzig-herbale Kirschfrucht, Sauerkirsche und Herzkirsche in Tateinheit, darüber Graphit und schwarze Teeblätter, roter Pfeffer und ganz feiner Rauch. Der 2023er Schlossberg wirkt in seiner Art schon eine gute Ecke kühler als der duftig-dichte 2022er, der blumiger war. Der 2023er hat eine feine grünlich-reduktive Spannung, die sich so kühl und verschließend über den Wein legt, dass er sich wohl im Schneckentempo entwickeln wird. Der Centgrafenberg ist eine wahre Charmeoffensive im Jungstadium, der Schlossberg lässt neben seiner rotfruchtigen Vibration auch noch ein paar Geheimnisse offen und ist mehr in sich verwoben und fest. Er wird immer zwingender und packender im Glas, behält aber seine agile Frische stets aufrecht. Gigantisches Potenzial, das hätte ich derartig gar nicht erwartet in 2023. Ein kühler, saftiger Steinwein, der noch nicht alles, aber bereits viel seiner wunderschönen Frucht aufblitzen lässt.
Jahrgangsbericht
Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!
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Suckling über: Spätburgunder Klingenberger Schlossberg Großes Gewächs
Fleshy, concentrated and silky, this beauty doesn’t want to let go. Medium- to full-bodied with incredible interplay of restrained richness, superfine tannins and incredible vibrancy. In the super-long finish there’s a blast of black cherry and blood orange fruit. Drinkable now, but best from 2026.
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Parker über: Spätburgunder Klingenberger Schlossberg Großes Gewächs
The 2023 Spätburgunder Schlossberg GG is deep, intense and elegant on the charming and quite open nose that reveals red cherry as well as floral aromas reminiscent of roses intertwined with deep terroir and saline notes. The wine is lush and sensual on the palate, silky, finely structured and very charming, and it has an intense and aromatic, concentrated, persistently tight and saline finish. It's impressive in all its sensuality. 13% stated alcohol. Natural cork. Tasted in December 2025.
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Decanter über: Spätburgunder Klingenberger Schlossberg Großes Gewächs
The Schlossberg rises steeply above Klingenberg, its red rocky soil crisscrossed by old dry stone walls, between which Fürst’s Spätburgunder (Pinot Noir) vines grow very densely – 13,000 vines per hectare, which can only be tended by hand. This has clearly paid off again in 2023 – clear dark cherry fruit, covered only by a hint of smoky reduction, subtly spiced with oak and a touch of toast and dark chocolate. So elegant, so beautiful – unforgettable.,
/100
Falstaff über: Spätburgunder Klingenberger Schlossberg Großes Gewächs
Zum Zeitpunkt der Verkostung ein noch sehr verschlossenes Duftbild: Lorbeer, reduktive Untertöne, Preiselbeer, rauchiges Holz. Im Mund zeigt sich ein Wein von großer Transparent im Aufbau: präzis reif gelesene Frucht, griffiges Tannin, Körper und Säure in makelloser Balance, hintergründig feine MIneralität.
Rudolf Fürst
Franken ist Frankreich nicht nur phonetisch ganz nahe. Wer behauptet, dass exzellenter Pinot Noir, also Spätburgunder nur aus dem in Frankreich gelegenen Burgund stammt, hat mindestens die letzte Dekade verschlafen.