Rudolf Fürst: Riesling Centgrafenberg Großes Gewächs 2024

Rudolf Fürst: Riesling Centgrafenberg Großes Gewächs 2024

VDP

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2029–2044
mineralisch
leicht & frisch
Lobenberg: 96–97+/100
Suckling: 96/100
Weinwisser: 96–98+/100
Falstaff: 95/100
Deutschland, Franken
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Centgrafenberg Großes Gewächs 2024

96–97+
/100

Natürlich steht auch der Centgrafenberg im Bürgstadter Berg. Ist also umgeben von der Ersten Lage und die GG-Parzellen sind die Filets. Der Wein wächst komplett auf Buntsandstein mit Eisenanteil. Das macht die Würze dieser Weine aus. Genau wie die Erste Lage als Ganztraube sofort gequetscht mit den Füßen und abgepresst, keine Standzeiten. Vergärung erfolgt spontan. Ausbau in einem alten Doppelstückfass, mehr gibt es nicht. 2024 war schon ein ziemlich cooler Jahrgang, wörtlich als auch vom Wetter. Fürst hatte schon gewisse Frostverluste in 2024, es gab nur 10 bis 15 hl/ha Ertrag bei den Rieslingen, spät gelesen mit vielen kühlen Tagen. Die 2024er haben in der Spitze nicht diesen initialen Charme von 2023, keine allzu expressive Frucht, sondern gehen mehr zur Würze, zur Kühle und zum Stein. Ich mag das sehr. Das ist Riesling-Purismus, auf das Wesentliche reduziert. Nur der Bodenausdruck zählt. Feine Nuancen von Zitronengras und weißer Johannisbeere, Schwarztee, grüner Pfeffer, Kurkuma. Obwohl der Centgrafenberg so kühl wirkt, hat er schon gigantisch viel Substanz, das schiebt unaufhörlich hintenraus. Das ist fordernd und griffig, puristisch und knochentrocken, ganz klassischer, rassiger und doch feiner Stein-Riesling. Zugleich hat es das Fürst’sche Gen, ist immer ausgewogen, nie zu extrem. Ein Betrieb, den nichts erschüttert, der jedes Jahr liefert, der jedem Jahrgang das beste abringt und seelenruhige und doch aufregende, fesselnde Weine erzeugt. Zeitlos gut.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

96
/100

Suckling über: Riesling Centgrafenberg Großes Gewächs

The aromas of this wine are like an Alpine meadow at the beginning of the summer as all the herbs and flowers explode. Very concentrated, with a deep well of yellow grapefruit and Amalfi lemon flavors on the super-focused, medium-bodied palate. Very long, crystalline finish. Drinkable now, but best from 2027.,

96–98+
/100

Weinwisser über: Riesling Centgrafenberg Großes Gewächs

Sehr jugendliche Frucht. Im Mund enorm zupackend, fest, kraftvoll, wirkt noch leicht rau, zeigt gerade noch einen. Hauch von CO2, wird dann immer präziser, bleibt sehr lang und stimmig, ein großer Erfolg.

95
/100

Falstaff über: Riesling Centgrafenberg Großes Gewächs

Dichter und vielschichtiger Duft, Salzzitrone, Mandarine, Aprikosen, Lindenblüten, dezent Rauch und Röstnoten. Straff, druckvoll und zugleich elegant am Gaumen, fein ziseliert, zarte Phenolik und gradliniger Säurefluss zur feinwürzigen Mineralik und frischen Frucht, Langstreckenläufer.,,

Mein Winzer

Rudolf Fürst

Franken ist Frankreich nicht nur phonetisch ganz nahe. Wer behauptet, dass exzellenter Pinot Noir, also Spätburgunder nur aus dem in Frankreich gelegenen Burgund stammt, hat mindestens die letzte Dekade verschlafen.

Riesling Centgrafenberg Großes Gewächs 2024